Sport : Zum Vergessen

Andre Agassi scheidet in Melbourne aus

Alexander Hofmann

Melbourne - Ein verlegenes Lächeln huschte über Andre Agassis Gesicht, bevor er im nächsten Moment die Lippen zu einem schmalen Strich zusammenpresste. Der Tennisprofi gestikulierte, schüttelte den Kopf, verschränkte die Arme. Alles Zeichen der Verunsicherung, der Ratlosigkeit. Sein hoch angepriesenes Viertelfinale gegen Roger Federer war im Nu zum Nicht-Ereignis geworden. Der Schweizer Titelverteidiger zog in nur 99 Minuten mit 6:3, 6:4, 6:4 ins Halbfinale der Australian Open in Melbourne ein, wo der Weltranglisten-Erste nun auf Marat Safin (Russland) trifft.

Schon früh verharrten die vielen Agassi-Fans unter den 15 000 Zuschauern in der Rod-Laver-Arena meist in ehrfürchtigem Schweigen. Federer beherrschte seinen Gegner fast problemlos und zwang den US-Amerikaner zum frühesten Aus in Melbourne seit 1999. „Ich wollte, dass der Abend unvergesslich wird, jetzt ist es bloß ein Abend zum Vergessen geworden“, sagte Agassi. Noch bei den US Open hatte sich Federer, ebenfalls im Viertelfinale, erst nach fünf hartumkämpften Sätzen durchgesetzt. Der Schweizer hat nun 24 Siege in Serie gegen Spieler aus den Top Ten erzielt.

Federer setzte Agassi von Beginn an mit seinem hervorragenden Aufschlag unter Druck, nahm ihm in jedem Satz relativ früh das Service ab. Einzig bei drei Breakchancen im letzten Spiel des ersten Satzes kam Hoffnung bei Agassi auf, der erst beim Stand von 1:1 im dritten Satz sein erstes und einziges Ass schlug. Federer hatte dem als besten Returnspieler der Tennisgeschichte gerühmten Agassi zu diesem Zeitpunkt schon 19 Asse ins Feld geschlagen, am Ende waren es 22, darunter sogar eines bei einem Breakball – mit dem zweiten Service.

Selbst die zeitweise defekte Anzeigetafel in der Rod-Laver-Arena konnte das Unheil für Agassi nicht aufhalten, obwohl dadurch immerhin die aus Agassis Sicht immer kritischeren Spielstände gar nicht mehr registriert wurden. Ob Agassi noch einmal zum Turnier nach Australien zurückkehrt? Er habe das vor, erklärte der 34-Jährige, aber ein Jahr sei eine lange Zeit. Es wird vermutet, dass Agassi nur auf den richtigen Augenblick zum Rücktritt wartet – am liebsten unter ähnlich glücklichen Umständen wie Pete Sampras, der sich nach einem völlig überraschenden Sieg bei den US Open 2002 verabschiedete.

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