Sport : Zum Verlieren verdammt

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Michael Rosentritt über Vorschläge zur Reform des UefaCups

Franz Beckenbauer war es, der vor ein paar Jahren den Uefa-Cup als Verlierercup bezeichnet hat. Mal abgesehen davon, dass sein FC Bayern München demnächst sehr wahrscheinlich in diesem Wettbewerb anzutreten hat – in diesem Punkt hatte er ausnahmsweise mal Recht. Was ist bloß aus dem Uefa-Cup geworden? Er ist seit Einführung der Champions League systematisch entwertet worden. Damals, als es noch den Europapokal der Landesmeister gab, spielten in diesem tatsächlich nur Landesmeister. Und die Zweiten, Dritten und so weiter im Uefa-Cup, was beide Wettbewerbe reizvoll machte. Mittlerweile spielen Zweite, Dritte oder gar Vierte in der Champions League. Und die Mittelklasse quält sich im Uefa-Cup.

Natürlich ist es gut, wenn sich Vertreter vieler Vereine Gedanken machen, wie der Uefa-Cup attraktiver werden könnte. Aber was soll der Vorschlag, im Uefa-Cup ebenfalls eine Gruppenphase einzuführen, eine Art Mini-Champions-League? Was etwa hätte Hertha BSC von Hin-und-Her-Spielen in einer Gruppe mit Zimbru Chisinau, FC Midtjylland und Siroki Brijeg? Spannung verspräche hier gerade noch das knifflige Spielchen: Wem gelingt es – nicht am schnellsten, sondern überhaupt –, die Vereine den jeweiligen Heimatländern zuzuordnen?

Der Trend geht hin zu weniger Fußball im Fernsehen. Jeder hat das gesehen. Es ehrt den Herr Aigner, den Generaldirektor der Uefa, solche Vorschläge abzulehnen und am K.-o.-System festzuhalten. Das ist noch das Einzige, was diesem amputierten Wettbewerb eine Art Existenzberechtigung verleiht. Die Champions League hat eine ganz andere Existenzberechtigung: Sie dient dazu, das Geld zu mehren – das Geld der Vereine und das der Uefa.

Das Problem war noch nie der Uefa-Cup. Das Problem ist die Champions League in ihrer aufgeblasenen Form. Man könnte auch sagen: Das Problem ist das Geld.

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