Sport : Zum Weinen

Die deutschen Skispringer bleiben bei der WM weiter ohne Medaille – und die Langläufer stürzen reihenweise

Hartmut Scherzer

Val di Fiemme. Sven Hannawald ertrug es tapfer. „Ich heule jetzt nicht“, hatte er nach seinem enttäuschenden siebten Platz am Sonnabend bei der Skisprung-Einzelkonkurrenz auf der 120-Meter-Schanze während der Nordischen Ski-WM gesagt. Auch nach dem Mannschaftsspringen am Sonntag vergoss Hannawald keine Träne – Anlass dazu hätte er gehabt. Zusammen mit Martin Schmitt, Georg Späth und Michael Uhrmann wurde er nur Vierter hinter den siegreichen Finnen, Japan und Norwegen.

„Heute brauchte man Top-Springer. Und wenn man die nicht hat, wird man eben ganz schnell nur Vierter“, sagte Bundestrainer Reinhard Heß. Dabei ist zumindest Hannawald zweifellos ein Könner, das belegt auch seine Führung im Weltcup. Trotzdem war er ratlos. „Ich habe alles versucht, aber ich bin überfragt, warum es nicht besser ging.“ Es gibt noch eine letzte Chance am Freitag auf der Normalschanze.

Ähnlich erfolglos verlief der Sonntag für die deutschen Skilangläufer beim Skiathlon. Axel Teichmann wurde vom Schweden Jörgen Brink umgerissen – und hatte fortan keine Chance mehr auf eine Medaille. Tobias Angerer fühlte sich regelrecht „abgeschossen“. René Sommerfeldt humpelte mit einer Steißprellung durch den Zielraum, ein Weißrusse hatte ihn über den Haufen gerannt. Wie schon der erste Skiathlon am Vortag bei den Frauen entwickelte sich auch die Männerkonkurrenz der neuen Disziplin zum Hauen und Stechen für die Läufer, aber auch zum riesigen Spektakel für die Zuschauer.

Diese neue Form des Skilanglaufs ist quasi die Formel 1 auf Skiern, inklusive Massenstart, Boxenstopp und Gruppenspurt. Klassische und freie Lauftechnik werden nicht mehr wie bisher bei der Doppelverfolgung getrennt an zwei Tagen kombiniert, sondern neuerdings in einem Rennen zusammengerafft. Dazu werden die Ski nach fünf (Frauen) bzw. zehn Kilometern (Männer) gewechselt.

Ausgerechnet der neue Weltmeister dieser Zwei-Technik-Disziplin kann sich mit ihr jedoch nicht anfreunden. Der Schwede Per Elofsson möchte den Wettbewerb lieber wieder an zwei Tagen austragen, wie bislang in der Doppelverfolgung. „Es kann nicht Sinn unseres Sports sein, beim Skiwechsel Sekunden zu verlieren“, sagte er nach seinem Sieg.

Selbst Gerangel und Gedränge, Stürze und Stolperer im Pulk werden den Siegeszug dieser Disziplin aber nicht verhindern. „Das ist nun einmal die Zukunft des Langlaufs, auch wenn ich diese Art nicht mag“, sagte Sommerfeldt, der schließlich 18. wurde.

Bei Angerer dürfte der neue Wettbewerb auf ähnlich wenig Gegenliebe gestoßen sein. Er wurde „abgeschossen“, stürzte und schleppte sich mit gebrochenem Ski als 60. ins Ziel. Und Axel Teichmann war froh, dass er sich seine Goldmedaille schon im klassischen 15-km-Rennen geholt hatte. Der Sturz einen Kilometer vor dem Ziel des Skiathlons hatte ihn entscheidend zurückgeworfen.

„Brink ist mir auf die Bretter gelatscht“, erklärte der Thüringer später. „Beim Anstieg war ich Vierter und in bester Ausgangsposition, nach dem Sturz nur noch Siebter.“ Am Ende wurde Teichmann Fünfter. „Ohne den Sturz hätte er eine Medaille geholt“, behauptete Cheftrainer Jochen Behle.

Die war für Jens Filbrich dagegen nie wirklich zu erreichen. Er kam als 16. ins Ziel. Seine persönliche Ausbeute während seines ersten WM-Skiathlons: zwei Stürze.

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