Sport : Zur letzten Instanz

Friedhard Teuffel über einen Sportprozess mit Folgen

Friedhard Teuffel

Vielleicht werden die Tischtennisfreunde Ochsenhausen noch einmal richtig berühmt. Deutscher Meister in ihrer Sportart sind sie schon, aber ihr Name könnte bald im ganzen Sport verbreitet sein. Es könnte ihnen so gehen wie Jean-Marc Bosman. Den Belgier kannten auch nur Fußballexperten, bis er mit einem von ihm angestrengten Prozess den ganzen europäischen Fußball durcheinanderwirbelte.

Mit Ochsenhausen könnte es sich ähnlich verhalten. Denn dass der europäische Tischtennis-Verband die einstweilige Verfügung des Internationalen Sportgerichtshofs nicht akzeptiert und Ochsenhausen nicht in der Champions League mitspielen lassen will, wird möglicherweise ebenfalls gewaltig viel verändern. Der Sportgerichtshof Cas besteht schließlich deshalb, weil ihn alle Sportverbände als letzte Instanz anerkennen. So bleiben Streitfälle innerhalb des Sports, werden von in Angelegenheiten des Sports kompetenten Schiedsrichtern entschieden und landen nicht vor den ordentlichen Gerichten, die Monate bis Jahre benötigen, um bestimmte Fälle zu entscheiden.

Einen Verfahrensfehler darf der Tischtennisverband beanstanden. Sollte er aber den Inhalt des Schiedsspruchs nicht akzeptieren, würde er das ganze System des Sportrechts zum Wanken bringen. Vielleicht halten sich dann auch andere Verbände in Zukunft nicht mehr an den Cas, vielleicht klagen Sportler gegen Dopingurteile bis vor nationalen Gerichtshöfen. Sie sollten nur eines beachten: Mit jedem juristischen Streit über Teilnahme, Sieg und Niederlage verliert der sportliche Wettbewerb an Wert.

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