Sport : Zur Nebensache degradiert

Tennis Borussia ärgert sich vorm Pokalspiel gegen Bochum über den MSV Neuruppin, der in Berlin gegen Bayern spielt

Karsten Doneck

Berlin - Vielleicht steckt auch ein bisschen Neid dahinter. Schließlich hat der andere das lukrative, weil einen Batzen Geld versprechende Los gezogen. Man selbst muss sich dagegen mit Zweitklassigem abmühen. Beim Fußball-Oberligisten Tennis Borussia ist vor der ersten Runde im DFB-Pokal die Freude leicht getrübt. Da kämpfen die Charlottenburger zwar heute (15.30 Uhr, Mommsenstadion) gegen den VfL Bochum, einen der Aufstiegsfavoriten der Zweiten Liga, um das Pokal-Weiterkommen, doch der eigene Auftritt gerät fast zur Nebensache. Grund: Dem Oberliga-Rivalen MSV Neuruppin ist Bayern München als Gegner zugelost worden, und weil die Kapazitäten in Neuruppin für ein Spiel dieser Größenordnung nicht ausreichen, zog der MSV um, spielt morgen (17.00 Uhr) im Berliner Olympiastadion.

„Nicht jeder Interessierte hat so viel Geld, um sich an einem Wochenende in Berlin zwei Fußballspiele anzuschauen“, sagt Ronald Maschke, der Sportliche Leiter bei TeBe. Und schiebt noch einen wenig gastfreundlichen Ratschlag an die Neuruppiner hinterher: „Wenn die in Brandenburg kein vernünftiges Stadion haben, dann müssen die mal mit ihrem Ministerpräsidenten reden.“

Es ist aber keineswegs so, dass der MSV Neuruppin völlig freiwillig das heimische Volksparkstadion verlässt. Das Stadion an der Alt Ruppiner Allee 56 wurde vor ein paar Jahren grundlegend renoviert, die Zuschauerkapazität sank durch die Umbauarbeiten von 10000 auf 5300. Um dort den Andrang für das Spiel gegen den FC Bayern zu bewältigen, hätten Zusatztribünen, VIP- und Pressezelte aufgestellt und der Ordnungsdienst erheblich erweitert werden müssen. Das ist mit Kosten verbunden – im sechsstelligen Euro-Bereich. Das wiederum hätte die erwartete Einnahme beträchtlich gemindert. Also kam man auf die Idee, ins circa 70 Kilometer entfernte Olympiastadion auszuweichen. Bundesligist Hertha BSC bot Unterstützung an, half mit seinem Know-how bei der Organsiation.

Und Tennis Borussia ist darüber verärgert. „Ich finde das ziemlich daneben, dass die das Bundesland wechseln“, sagt Peter Antony, der TeBe-Vorsitzende. „Die Neuruppiner haben ja wohl auch mal nachgefragt, ob sie in Rostock spielen können, aber der FC Hansa hat das abgelehnt, und dann macht Hertha mit denen den Schulterschluss.“ TeBe fürchtet, dass zum eigenen Pokalspiel gegen den VfL Bochum wegen der Konkurrenz „500 bis 800 Zuschauer mindestens“ (Maschke) weniger kommen werden. Beim MSV Neuruppin war gestern niemand für eine Stellungnahme zu erreichen.

Für TeBe war bei der Auslosung übrigens nicht der FC Bayern der Wunschgegner, sondern Hertha BSC. Zu gerne erinnern sich die Borussen noch an den 28. Oktober 1998, als die Mannschaft, gerade aufgestiegen in Liga zwei, im Olympiastadion unter Trainer Hermann Gerland gegen den Bundesligisten Hertha BSC 4:2 gewann, und der damalige Hertha-Trainer Jürgen Röber später kleinlaut zugab: „Wenn die ihre Chancen nutzen, dann gehen wir hier richtig unter.“

Die jetzige TeBe-Mannschaft hat mit der damaligen nichts mehr gemein. Betreuer Frank Lange ist der Einzige, der übrig geblieben ist. Aber chancenlos sieht sich TeBe gegen Bochum nicht. „Mit Mut, Leidenschaft und Selbstvertrauen werden wir auflaufen“, kündigt Stephan Schmidt an. Der 28-Jährige hat am vorigen Sonntag im Oberligaspiel gegen den 1. FC Union in letzter Minute das Tor zum 1:1 erzielt. TeBe-Trainer Theo Gries greift den Gedanken auf: „Wenn wir mutig ins Spiel gehen, dann entwickelt sich eine Eigendynamik, und solche emotionalen Dinge, die können den Ausschlag geben.“ Inzwischen hat man sich bei TeBe mit Bochum als Gegner abgefunden. Antony tröstet sich: „Es hätte ja noch schlimmer kommen können, zum Beispiel, wenn uns LR Ahlen zugelost worden wäre.“

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