Sport : Zur Strafe nach Wuppertal

Weil Ashkan Dejagah Hertha bald verlässt, spielt er nur noch in der Reserve

Ingo Schmidt-Tychsen

Berlin - Gestern, 15.03 Uhr auf dem Trainingsgelände des Bundesligisten Hertha BSC. Ein junger Mann tritt aus der Kabine, in den Händen hält er drei Paar Fußballschuhe, sein Blick ist gesenkt. Ob er kurz stehen bleiben könne, um eine Frage zu beantworten? „Nein!“ Ashkan Dejagah steigt in seinen schwarzen Geländewagen und braust davon. Vier Minuten lang war der 20 Jahre alte Deutsch-Iraner in der Kabine der Profimannschaft. Ein kurzer Abschied. Dejagah wird wahrscheinlich nicht mehr in die Räumlichkeiten seiner Kollegen zurückkehren. Er hat jetzt eine neue Mannschaft: Hertha BSC II. Gestern Nachmittag noch reiste er nach Wuppertal, um sich für das Regionalliga-Spiel am Freitag gegen das zweite Team von Bayer Leverkusen vorzubereiten.

Ashkan Dejagah wird strafversetzt, weil er in der kommenden Saison für den VfL Wolfsburg spielen wird. Gestern Abend sagte Dejagah lediglich, dass er die Entscheidung von Hertha als „sehr hart“ empfindet. Sein Trainer Falko Götz sagt: „Er hat sich entschieden. Er wird nicht mehr bei uns spielen. Er trainiert und spielt jetzt in der U 23. Wir haben auf seiner Position andere Talente, die wir jetzt fördern werden.“ Den Namen des Spielers will Götz schon gar nicht mehr erwähnen. Hertha ist wütend, weil Dejagah sechs Jahre lang Teil des Konzepts zur Nachwuchsförderung war. Das kostet laut Manager Dieter Hoeneß pro Spieler mindestens 70 000 bis 80 000 Euro jährlich. „Ashkan Dejagah hatte mit 16 sogar schon einen verhältnismäßig guten Vertrag“, sagt Hoeneß. Für den Verein würden sich diese Investitionen erst dann lohnen, wenn ein Spieler schließlich bei den Profis zum Einsatz kommt. Regelmäßig war das bei Dejagah erst in dieser Spielzeit der Fall.

Für seinen Wechsel zum VfL Wolfsburg kassiert Hertha nichts. Der Vertrag des Mittelfeldspielers läuft am Saisonende aus, in Wolfsburg wird er voraussichtlich bis zum Juni 2010 spielen. Sein Berater Jörg Neubauer findet „den Vorgang ganz normal. Das Angebot der Wolfsburger war finanziell besser, aber es ist falsch zu behaupten, dass es bei der Entscheidung nur ums Geld geht“. Dieter Hoeneß widerspricht dem heftig. „Da geht es nur ums Geld. Ich sehe Ashkan Dejagah ein Stück weit als Opfer.“ Der Manager vermutet, dass Dejagah die Entscheidung nicht selbst fällen durfte, sondern sein Berater Neubauer und der Vater des Profis ihn stark beeinflusst hätten. „Das riecht ein bisschen“, sagt Hoeneß. Hertha habe Dejagah ein gutes Angebot gemacht. Mit der Offerte aus Wolfsburg aber habe man nicht mithalten wollen, um das Gehaltsgefüge im Kader nicht zu sprengen. „Diese Summe musst du ja mal zehn nehmen“, sagt Hoeneß. Er befürchtete, dass andere Spieler dann ähnliche finanzielle Forderungen stellen könnten. Der Transfer sei aufgrund der besseren sportlichen Perspektive der Berliner eine Niederlage für den deutschen Fußball, nicht für Hertha BSC.

Laut Neubauer habe VfL-Trainer Klaus Augenthaler seinem zukünftigen Spieler Dejagah gesagt, dass er in Wolfsburg die gleichen Offensivaufgaben übernehmen könne wie bei Hertha. Innerhalb der Berliner Mannschaft beschwerte sich Dejagah mehrfach nicht genügend Wertschätzung für seine sportlichen Leistungen zu erhalten. Dejagah spielte zuletzt hinter den Spitzen oder auf der rechten Außenbahn. Bei einer Rückkehr der Verletzten Yildiray Bastürk und Kevin-Prince Boateng wäre Dejagah aber kaum mehr eingesetzt worden.

Interview mit Andreas Neuendorf: Seite 24

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben