Sport : Zur Vernunft zwingen

Liga-Präsident Werner Hackmann hat sich angesichts der jüngsten Entwicklungen auf dem Transfermarkt besorgt über den Ruf der Fußball-Bundesliga geäußert. "Ich habe die Befürchtung, dass das Image immer mehr in die Kommerz-Ecke gedrückt wird. Das ist nicht gut für die Liga", sagte Hackmann. Tags zuvor hatte sich Gerhard Mayer Vorfelder, der Präsident des Deutschen Fußball-Bundes, in einem Tagesspiegel-Interview gegen die fortschreitende Kommerzialisierung und unter anderem für Gehaltsgrenzen für Fußballer ausgesprochen.

Vor dem Hintergrund des Deals von Bayern München von angeblich 100 Millionen Mark für Michael Ballack (Bayer Leverkusen) und des Transfergerangels um Sebastian Kehl fordert der Präsident des Hamburger SV eine Gehaltsobergrenze auf europäischer Ebene. Daran ändert auch nichts, dass der Neueinkauf Michael Ballack dem FC Bayern München nach Angaben von Karl-Heinz Rummenigge nicht so teuer zu stehen kommt wie allgemein angenommen. "Eigentlich kommentieren wir diese Summen nicht. Aber wir zahlen nicht 28 Millionen, sondern zwölf Millionen Mark Ablöse. Keine Mark mehr", sagte der künftige Vorstandsvorsitzende des Fußball-Weltpokalsiegers der "Welt". Laut Rummenigge ist der Transfer vergleichsweise "absolut nicht kostspielig, das Ganze ist in vernünftigen Bahnen verlaufen". Er wundere sich über bisher genannte Zahlen.

Dennoch bleibt die Auffassung von Hackmann aktuell: "Die Probleme der Vereine, sich zu refinanzieren, nehmen dramatisch zu", meinte Hackmann. Mittelfristig hält er einen so genannten Salary Cup (eine Gehaltsbegrenzung) in Europa für möglich. "Ein freiwilliger Solidarpakt ist in der Liga offensichtlich nicht möglich", betonte Hackmann. Es müsse die Einsicht wachsen, dass es keinen anderen Ausweg gibt. "Je mehr Insolvenzen wir haben, und die wird es geben, desto mehr wird sie wachsen", sagte er dem "Hamburger Abendblatt", denn der Zenit bei der Steigerung der Einnahmen aus TV-Geldern, Sponsoring und Zuschauern sei bereits erreicht.

Gegen das Auseinanderklaffen der Schere zwischen armen und reichen Vereinen will der ehemalige Hamburger Innensenator die nationale Verteilung der Fernsehgelder neu strukturieren. Der TV-Vertrag mit der Bundesliga läuft am 30. Juni 2004 aus und mit ihm die Zuteilung an die Profi-Klubs. "Wenn es dabei bleibt, dass die internationalen Gelder so ausgeschüttet werden wie jetzt, dann muss man eben bei der Verteilung der nationalen Gelder ansetzten."

Zurzeit erhalte der Tabellenletzte die Hälfte von dem, was der Erste bekommt. "Visionär gesehen, muss man eben sagen: Es gibt keine Spreizung mehr, dann musst du gleich verteilen", so der Chef der im Sommer gegründeten Profivertretung DFL. Mit 900 Millionen Mark (462 Millionen Euro) sei im letzten Fernseh-Vertragsjahr eine Schallmauer erreicht.

Hackmann, der mit der Verkauf des Stadionnamens beim Hamburger SV Neuland in der Vermarktung betrat, sieht auch Grenzen der Kommerzialisierung: "Sie könnten die Liga noch besser verkaufen, wenn Sie wie beim Football nach zehn Minuten eine Werbepause machen, da ist viel Geld rauszuholen. Aber das wird es nie geben", sagte Hackmann dem "Abendblatt". Auch für die einheitliche Namensgebung der Liga sei im Moment nicht der richtige Zeitpunkt.

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