Sport : Zurück auf dem Boden

Wie Nowitzkis Sieg den US-Basketball verändert

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Feier-Biester.
Feier-Biester.Foto: dapd

Berlin - In all der Feierei um Dirk Nowitzki und die Meisterschaft der Dallas Mavericks, bei all den Trophäen küssenden Spielern ging ein Satz zunächst unter. „Die Spieler haben ein kolossales Statement abgegeben, nicht nur über unser Team, sondern über Basketball im Allgemeinen“, sagte der Meisterarchitekt der Mavericks, Trainer Rick Carlisle, nach dem Finale zu Reportern. „Sie haben dem Pass vertraut. In unserem Team geht es nicht um individuelle Fähigkeiten, sondern um kollektiven Willen. Wir haben Talent. Aber unser Spiel findet auf dem Boden statt, Miamis Spiel in der Luft.“

Basketball-Amerika grübelt nun über diese Worte nach und darüber, wie der Triumph der Mavericks und Dirk Nowitzki den einheimischen Sport verändern. Nowitzki ist nicht der erste Europäer, der einen NBA-Titel gewonnen hat, aber er ist der erste, der eine Finalserie dominiert hat. Und damit viele Vorstellungen von Basketball in den USA widerlegt. Einen „Sevenfooter“, wie man Spieler wie Nowitzki mit einer Körpergröße von über 2,10 Meter nennt, hätte man in Amerika Gewichte stemmen lassen und unter den Korb gestellt und nicht von außen schießen lassen.

Und auch die Spielweise der Mavericks war ein Kulturschock. Taktisch, weil Carlisle immer wieder als einer der wenigen NBA-Trainer auf die in Europa verbreitete Zonenverteidigung setzte. Und trotz Nowitzki nicht auf Starkult. „Es geht bei diesem Spiel nicht darum, dass vier Jungs ackern, um einen Starspieler freizubekommen und ihm dann den Ball zu geben“, hat der europäische Erfolgstrainer Ettore Messina einmal gesagt.

In den USA herrscht dieses Denken bei den meisten Teams vor, der unterlegene Finalgegner Miami Heat ist ein Paradebeispiel dafür. Die Stars LeBron James und Dwyane Wade stehen auch für den amerikanischen Stil der Freiplätze: viel Show und spektakuläre Dunkings – sie spielen in der Luft. Nowitzki besiegte sie vom Boden, mit dem vermeintlich langweiligen Sprungwurf, dem der Geruch der Trainingshalle anhaftet. Doch gerade dieses Repertoire fehle jungen NBA-Profis, klagt Charles Oakley, Assistenztrainer der Charlotte Bobcats, in dem Magazin „Five“. Viele seien zwar herausragende Talente, arbeiteten aber lieber an Athletik und Sprungkraft, als an der Technik. Dabei rächt sich, dass viele Profis die Grundlagenausbildung am College auf ein Jahr beschränken oder komplett überspringen.

Und nicht nur für die Rückbesinnung auf Teamgeist und Grundlagenausbildung könnte Nowitzkis Erfolg einen heilsamen Einfluss auf den Basketball haben. „Warum soll jemand unter 2,10 Meter agil und beweglich sein und ein Sevenfooter ein schwerfälliger Klops?“, schreibt der Kolumnist Greg Couch. Vielleicht seien die alten Stereotypen schädlich und unnötig eingrenzend. „Wenn deine Tochter zu groß wird, steck sie nicht zum Turnen, wenn dein Sohn nicht wie ein American Footballer gebaut ist, bring ihn zum Golf.“ Die Kinder, fordert er, sollten spielen, was ihnen Spaß macht.

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