Sport : Zurück getreten (Kommentar)

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Es steht zu vermuten, dass nach dieser Saison der Lehrplan für den Fußball-Lehrerlehrgang an der Sporthochschule Köln um einen Punkt erweitert werden muss. Neben Viererkette, Stretching und Auslaufen muss jeder Fußballtrainer, das lehrt das aktuelle Beispiel aus der Fußball-Bundesliga, eine weitere Teildisziplin perfekt beherrschen: den Rücktritt. Als Referent für diesen Programmpunkt bietet sich natürlich Werner "Rücktritt" Lorant an, der es in dieser Disziplin zu seltener Perfektion gebracht hat. In den vergangenen zehn Tagen beläuft sich Lorants Bilanz auf zwei Rücktritte sowie zwei Rücktritte von Rücktritten. Blickt man weiter zurück, so hat der Fußball-Lehrer seit 1993 insgesamt fünf Mal seinen Abschied verkündet. Und ist immer noch Trainer beim TSV 1860 München. Was aber, werden sich künfigte Fußball-Lehrer fragen, bringt das Ganze?

Zwei Gründe bieten sich an. Da ist zum einen der Rücktritt als Motivationshilfe und Wertschätzungsmesser. Siehe Trainer Giovanni Trapattoni, der erst beim AC Florenz seinen Rücktritt anbot, dann vom Präsidium das Vertrauen ausgesprochen bekam und in der Champions League den FC Arsenal 1:0 abservierte. Bei Lorant funktioniert diese Methode nicht mehr, der hat seinen Abschied schon zu oft verkündet. Bei ihm hilft nur Erklärungsmodell Nummer zwei: Lorant fühlte sich vom DFB und seinen Erfüllungsgehilfen mit der Pfeife ungerecht behandelt. Der Mann, der in seiner aktiven Zeit als Kämpfer und Arbeitstier bekannt war und seine Spuren zumeist auf den Schienbeinen des Gegners hinterließ, dieser Lorant macht nun das, was er in 325 Bundesligaspielen gelernt hat: Wenn mich einer tritt, dann trete ich zurück.

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