Sport : Zurück im Leben

Andre Görke

Ganze drei Minuten stand Harun Isa auf dem Rasen im Wildparkstadion. Der Platz war tief gefroren und der 1. FC Union lag beim Karlsruher SC schon eine ganze Weile 0:1 im Rückstand. Unions Stürmer hätte sich sicher schönere Situationen vorstellen können, als kurz vor Abpfiff noch einmal ein paar Minuten spielen zu dürfen. Aber dieser Einsatz wurde für ihn doch noch zu einem recht netten Vergnügen. Als Isa im Strafraum des KSC das erste Mal an den Ball kam, gelang dem Mazedonier der überraschende Ausgleich.

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Bundesliga-Tippspiel: Das interaktive Fußball-Toto von meinberlin.de Niemand im bitterkalten Stadion hatte zu diesem Zeitpunkt noch ernsthaft mit einem Tor der Köpenicker gerechnet. Der 1. FC Union hatte in Karlsruhe zuvor nicht wesentlich besseren Fußball gespielt als in den vergangen Spielen. Also erneut ein Niveau geboten, das zu drei Niederlagen und dem Abrutschen ins Mittelmaß der Zweiten Liga geführt hatte. Ebenso zum Ausscheiden im Uefa-Cup. In Karlsruhe nun spielten die Berliner lange Zeit wieder diesen biederen Fußball, unkonzentriert und umständlich. Die Mannschaft wirkte zwar körperlich wieder frischer, kämpfte auch, nur sie geriet wie in den vergangen Wochen in Rückstand.

Da musste erneut Schlimmes befürchtet werden. Gegen Eintracht Frankfurt hatte Union danach drei weitere Tore kassiert und 0:4 verloren. Bei Arminia Bielefeld gab es nach dem Rückstand eine 1:4-Niederlage. Und gegen den MSV Duisburg verlor Union nach dem Tor der Gäste völlig den Faden. Viele Spieler, die in der vergangen Saison noch in der Regionalliga kickten, schienen mit der Situation, das Spiel machen zu müssen, überfordert. Einmal erst, beim 1:1 in Mannheim, konnte Union nach einem Rückstand noch den Ausgleich erzielen - die anderen Auswärtsspiele gingen dann verloren.

Umso imponierender war es am Freitagabend, wie sich die Mannschaft eine Viertelstunde vor dem Abpfiff plötzlich steigerte, den Druck erhöhte und nach dem Ausgleich durch Harun Isa sogar noch das Siegtor anstrebte. Vom Karlsruher SC, der zuletzt vier seiner fünf Spiele gewonnen hatte, war in den letzten zehn Minuten nichts Konstruktives zu sehen. Der 1. FC Union spielte auf einmal aggressiv und direkt, ganz so, wie es die Mannschaft zu Saisonbeginn tat.

Die Ziele sind mittlerweile andere geworden. Vor einiger Zeit noch träumten viele Unioner vom möglichen Durchmarsch in die Erste Bundesliga, von Gegnern wie Bayern München und Borussia Dortmund. Als registriert werden musste, dass Union nicht einmal mehr ein schwächeres Zweitliga-Team wie Duisburg schlagen konnte, wurden Spiele ohne Niederlage bereits als ein Erfolg gewertet. Die Unentschieden gegen Greuther Fürth und nun gegen Karlsruhe, die nicht zu den schlechteren Teams der Zweiten Liga gehören, sorgten wieder für ein wenig Zuversicht. Gegenüber dem torlosen Unentschieden in Fürth vor zwei Wochen war das 1:1 in Karlsruhe sogar noch eine Steigerung. Die Mannschaft hat versucht, wieder Fußball zu spielen.

Fünf Spiele muss Union in diesem Jahr noch bestreiten, drei davon auswärts. "Die Meisterschaft geht für uns jetzt in die entscheidende Phase", sagte Trainer Georgi Wassilew, der am Wochenende nach Belgrad reiste, um den jugoslawischen Stürmer Divic von OFK zu beobachten. Wassilew sah man in den vergangenen Wochen selten so gelöst wie in Karlsruhe. Von einer Wende wollte er jedoch noch nicht sprechen. Aber der Punkt gibt ihm Hoffung. Der Mannschaft habe die Teilnahme am Uefa-Pokal nicht gut getan, sagte Wassilew. "Wir waren mit den Kräften am Ende, einfach kaputt. Union war in den vergangenen Wochen eine tote Mannschaft." Es konnte also nur besser werden. Die letzte Viertelstunde in Karlsruhe hat gezeigt, dass wieder mehr möglich ist.

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