Sport : Zurück im Zentrum

Mehr als über das 4:0 in Hannover freuen sich die Bayern über Schweinsteigers Startelf-Comeback.

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Hannover - Er ist wieder da, und wie ihn die 49 000 Zuschauer im ausverkauften Stadion zu Hannover über den Rasen laufen und passen und dirigieren sahen, da durften sie sich schon fragen: War Bastian Schweinsteiger wirklich gut drei Monate lang verletzt? Oder hat er nur mit Perücke und falschem Bart irgendwo anders mitgespielt und sich in Form gebracht für die WM? Bei seinem Comeback am Sonntag in Hannover spielte der Nationalspieler zwar noch nicht mit höchstem Tempo, aber mit einer Präsenz, wie sie keineswegs typisch ist für Rekonvaleszenten. Schweinsteiger bereitete beim 4:0 (2:0)-Sieg des FC Bayern München gegen Hannover 96 die ersten beiden Tore vor und freute sich darüber, „dass es gut tat, von Beginn an zu spielen, ohne dass es Probleme gab“.

Bayerns Trainer Pep Guardiola rühmte hernach „Bastis überragende Qualitäten“. Und: „Ich war sehr zufrieden mit seiner Performance, aber er war lange verletzt und muss erst seinen Rhythmus finden“, gerne im Bundesliga-Alltag in Spielen wie gegen Mannschaften wie Hannover. Für Schweinsteiger war es das erste Spiel in der Startelf seit dem 2. November. Vor einer Woche hatte er schon beim 4:0 gegen Freiburg ein halbes Stündchen auslaufen dürfen. Am Sonntag war er neben Thiago Alcantara und Philipp Lahm ein höchst aktiver Bestandteil des zentralen Münchner Mittelfeldgestirns. Toni Kroos, zuletzt gegen Arsenal die überragende Figur, wurde erst eingewechselt, als längst alles klar war.

Für das offizielle Protokoll aber sei festgehalten: Es gab da auch eine richtig gute Torchance für 96. Sie eröffnete sich nach einer Viertelstunde beim Stand von 0:0 aus dem Nichts der totalen Defensive. Nach einem Pass von Szabolcs Huszti fand der Ball den Weg in den Lauf von Artjoms Rudnevs. Tom Starke verließ bemerkenswert früh sein Tor, das er an Stelle Manuel Neuers hüten durfte. Es war da auch ein wenig Glück im Spiel, dass Rudnevs nach rechts abdriftete. Starke bekam noch die Hand dazwischen und da war es geschehen um die schöne und unverhoffte Torchance.

Also nahm das Unvermeidliche seinen Lauf. Thiago und Schweinsteiger ließen den Ball im rechten Halbfeld kreiseln. Schweinsteiger spielte direkt auf Rafinha, der mit viel Spin und Tempo auf die Stirn von Thomas Müller flankte, und schon war der Ball zum ersten Mal im Tor. Nach ähnlichem Muster ließen die Bayern schnell das 2:0 folgen. Wieder über die Achse Schweinsteiger/Thiago, wieder mit atemberaubender Präzision und gnadenloser Exekution. Aus zentraler Position zirkelte Schweinsteiger den Ball im Bogen auf Thiago, der ihn mit dem ersten Kontakt mit der Brust stoppte und mit dem zweiten ins Hannoveraner Tor jagte.

Die Hannoveraner fügten sich nicht freiwillig in die Rolle des Trainingspartners, aber mehr war nun mal nicht drin gegen diese Bayern. Ja, sie durften sich anfangs der zweiten Halbzeit ein bisschen öfter in der Münchner Hälfte aufhalten. Aber dann war’s auch gut und David Alaba spielte in die Mitte, wo Mario Mandzukic mit der Ferse weiterleitete auf Thomas Müller und damit eines dieser typischen Thomas-Müller-Tore einleitete: nicht spektakulär, aber mit einer den Gegner demoralisierenden Selbstverständlichkeit. Als nächster war Mandzukic selbst an der Reihe. Nach Rafinhas Flanke über die gesamte Hannoveraner Abwehr hinweg demonstrierte der Kroate, warum Pep Guardiola ihn für den besten Kopfballspieler Europas hält.

Danach durfte dann auch Schweinsteiger gehen, das heißt: Er musste wohl eher. Als Guardiola ihn eine gute Viertelstunde vor Schluss vom Platz beorderte, wirkte Schweinsteiger alles andere als begeistert. Es gab ein kurzes Wortgefecht, und angekommen auf der Bank warf er erst mal die Trainingsjacke zur Seite. Kleines Nationalspieler-Böckchen? „Nein, das war ein Witz“, sprach Guardiola und deutete tatsächlich ein Lächeln an. Sven Goldmann

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