Sport : Zurück in der ersten Reihe

Dreimal hat Niki Pilic das deutsche Tennis-Team zum Gewinn des Daviscups geführt, aber in dieser Woche wird der 62-Jährige selbst auf seinen langjährigen Weggefährten Michael Stich keine Rücksicht nehmen. "Daviscup ist immer ein Spiel der Emotionen. Aber das ist ein ganz besonderes Spiel und ein komisches Gefühl für mich. Michael war mein Spieler. Mit ihm habe ich 1993 den Daviscup gewonnen. Aber so wie ich früher 100 Prozent hinter den Deutschen stand, so gebe ich jetzt 100 Prozent für Kroatien", sagte der kroatische Daviscup-Teamchef vor der Erstrunden-Begegnung zwischen Kroatien und Deutschland am Wochenende in Zagreb.

"Egal, wie das Spiel ausgeht, mein Verhältnis zu Michael bleibt davon unberührt. Wir haben immer eine gute Beziehung gehabt", sagte Pilic. Stich traut er als Daviscup-Kapitän einiges zu, jedenfalls mehr als Boris Becker, der ihn im Herbst 1997 unsanft beim Deutschen Tennis Bund (DTB) aus dem Amt gedrängt hatte. "Es ist nicht schwer für Michael, erfolgreicher zu sein als Boris", sagte Pilic: "Sie haben einen unterschiedlichen Charakter. Man muss bei Becker trennen: Er war ein genialer Spieler, aber als Funktionär hat er keinen Willen und keine Zeit für diesen Job gehabt. Michael dagegen kann etwas bewegen. Er ist intelligent. Er hat Wimbledon und den Daviscup gewonnen. Er hat sicherlich auch etwas von mir gelernt."

Pilic hatte Stich schon damals, als das Ende seiner Amtszeit beim DTB nahte, als Nachfolger favorisiert. Becker dagegen war für ihn in dieser Position eine krasse Fehlbesetzung. "Ich kenne Becker sehr gut. Er hat einen sehr großen Namen. Es war wichtig, dass er im deutschen Tennis bleibt, aber nicht in der Form, wie er es wollte", sagt Pilic. "Alles, was ich mit meinen Mitarbeitern in 16 Jahren gemacht habe, hat er schön kaputt gemacht." Beckers Problem war laut Pilic: "Man darf als Kapitän nicht in der ersten Reihe stehen. Das war unmöglich für Becker."

Pilic bildet in Kroatien mit Goran Ivanisevic als unantastbarer Nummer eins ein erfolgreiches Doppel. Binnen zwei Jahren führte Pilic Kroatien aus der Dritten Liga zurück in die Weltgruppe. Sein Vertrag ist unbefristet, aber "ich mache das nur solange, bis Ivanisevic aufhört zu spielen. Danach muss er auf meinen Posten rücken."

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