Sport : Zurück in der großen Welt

Das Nationalteam verschafft sich bei der Eishockey-WM in Moskau Respekt

Claus Vetter

Berlin - Vom „Holiday Inn“ in Amiens zum „Cosmos“ in Moskau war es ein weiter Weg für Bundestrainer Uwe Krupp und die Eishockey-Nationalmannschaft. In dem kleinen Hotel in der Nähe des Bahnhofs von Amiens haben sie vor einem Jahr gewohnt, weil in dem schönen nordfranzösischen Städtchen die B-WM stattfand. Seit einigen Tagen nun belegen die Deutschen im 25. Stockwerk des größten Hotels der russischen Hauptstadt ihre Zimmer – weil sie nach dem Aufstieg wieder bei der A-WM mitspielen dürfen. Mit dem 2:0-Sieg gegen den WM-Zweiten Tschechien am Donnerstag haben sie nun sogar bewiesen, dass sie mehr können: Das Nationalteam ist zurück in der großen Welt des Eishockeys.

Die kleine Welt des Eishockeys haben die Deutschen im April 2006 bei der B-WM verlassen. Ein paar Monate zuvor hatte Krupp das Nationalteam von Greg Poss übernommen – mit einer großen Hypothek. Poss hatte zwar flotte Sprüche geklopft, erzählt, dass man mit den Großen mithalten könne. Genauso flott aber hatte Poss das Team in die Zweitklassigkeit geführt. „Der Druck war seitdem riesengroß“, sagt der einstige Weltklasseverteidiger Krupp. „Wir mussten immer gewinnen.“ Der Aufstieg in Amiens sei Pflicht gewesen, der Nicht-Abstieg bei der A-WM in Russland auch, sagt Krupp. „Gegen Tschechien haben wir das erste Mal seit anderthalb Jahren keinen Druck gehabt.“ Das Resultat war eindrucksvoll, der Sieg war verdient. „Großes Lob an die Deutschen“, sagte sogar der tschechische Stürmer Jiri Novotny, „sie waren ein starker Gegner.“

Erklären lässt sich das gute Auftreten der Deutschen durchaus. Bis auf Torwart Dimitri Pätzold haben sie keinen in Nordamerika beschäftigten Profi im Team. Krupp hat nur die Spieler mitgenommen, die unbedingt in Moskau spielen wollten. „Das erinnert mich an das Schweizer Modell“, sagt Peter John Lee, Manager der Eisbären und Kotrainer der Schweiz. „Es ist manchmal besser, auf junge willige Spieler zu setzten, als auf unwillige erfahrene Spieler.“ Dazu kommt, dass viele deutsche Spieler Fortschritte machen konnten – auch weil in der Deutschen Eishockey-Liga (DEL) der Anteil ausländischer Profis inzwischen unter 50 Prozent liegt: Krupp hat mehr Auswahl als etwa Hans Zach hatte, der Vorgänger von Poss.

Unter Zach schaffte Deutschland 2003 letztmals den Einzug in ein WM-Viertelfinale. Ein Erfolg, der sich diesmal wiederholen lässt – wobei heute mit den USA wieder ein Favorit im zweiten Spiel der Zwischenrunde auf Krupps Team wartet (14.15, live im ZDF). Montag sind die Weißrussen dann letzter Gruppengegner. Zumindest da müssen die Deutschen gewinnen, um ins Viertelfinale zu kommen – aber daran denkt Krupp nicht: „Ich beschäftige mich immer nur mit dem nächsten Gegner.“ Der Bundestrainer kann sich ohne Druck vorbereiten. Egal was passiert, sein Team hat sich eine WM-Abschlussfeier im „Cosmos“ schon verdient – auch wenn es da nicht so gemütlich sein soll. Das Hotel mit den 1777 Zimmern habe „den Charme einer Bahnhofshalle“, das Essen sei „eintönig“, sagt der österreichische Spieler Martin Ullrich, der lange in der DEL aktiv war. Von den Deutschen kommen dagegen keine Klagen. Der Berliner Sven Felski sagt: „Uns schmeckt das Essen.“ Es sei besser als vor einem Jahr im Hotel von Amiens.

0 Kommentare

Neuester Kommentar