Sport : Zurück in der Realität

Das Debakel in Ludwigsburg rüttelt Alba Berlin auf

Helen Ruwald

Berlin - Vom Sommer in Berlin hatten Albas Basketballprofis gestern wenig. Typisches Aprilwetter hätte besser zu ihrer Beschäftigung gepasst, die alles andere als erbaulich war. Trainer Henrik Rödl zwang die Spieler, sich auf Video das 62:84 vom Vortag in Ludwigsburg anzuschauen, der Schwerpunkt lag auf dem letzten Viertel: Da wurde der Tabellenführer der Bundesliga beim 14:31 vom Tabellenzweiten vorgeführt. Was folgte, war knapp fünf Wochen vor Beginn der Play-offs die höchste Niederlage dieser Spielzeit. „Es war nicht genug Energie da, weder vom Körperlichen noch von der Konzentration und vom Kopf“, sagt Teammanager Henning Harnisch.

Henrik Rödl verweist auf die Einwechselspieler, die den Unterschied gemacht hätten. Die fünf Ludwigsburger, die von der Bank kamen, steuerten 41 Punkte bei, die fünf Berliner nur 20. Drei von ihnen – William Avery, Kirk Penney und Nenad Canak – waren angeschlagen. Spielmacher Avery, der acht Punkte erreichte, sich aber fitter fühlte als zuletzt, stellte nach dem „peinlichen Auftritt“ fest: „Ludwigsburg hat mit mehr Intensität gespielt. Wir haben zuletzt oft gewonnen. Der Erfolgshunger muss zurückkommen.“

Neun Siege in Serie in der Bundesliga, die Alba mit vier Punkten Vorsprung vor Ludwigsburg anführt, hatten Spuren bei den Berliner Profis hinterlassen. Das Duell mit dem Zweiten war von der Tabellenkonstellation, nicht aber gefühlsmäßig ein Spitzenspiel. „Ich hoffe, diese Niederlage dient als Motivator und Reality-Check“, sagt Avery.

Die jüngste Vergangenheit zeigt, dass Niederlagen keineswegs den Niedergang eines Teams bedeuten müssen. Wenige Tage nach dem 33:50 in Bamberg bezwang Rheinenergie Köln im Pokal-Viertelfinale Alba Berlin. Und Ludwigsburg zeigte sich von der Heimniederlage am vergangenen Freitag gegen Bamberg zwei Tage später ebenfalls gut erholt.

Teammanager Harnisch fordert, dass die Mannschaft das Debakel „nicht nur hinnimmt, sondern wirken lässt. So eine Situation muss man bewusst durchleben.“ Die Ereignisse vom Sonntagabend empfindet Harnisch als nicht so dramatisch – wenn sie sich nicht wiederholen. Schließlich beginnen am 20. Mai die Play-offs, „und da bekämen wir mit einer Leistung wie in Ludwigsburg Probleme“. Zwei der ausstehenden drei Hauptrundenspiele gegen Frankfurt und Trier sowie in Braunschweig muss Alba Berlin gewinnen, um sicher als Erster in die Play-offs einzuziehen. Dort hätte das Team dann in den entscheidenden Spielen Heimrecht.

Die Berliner haben nur noch eine Titelchance, eben in der Meisterschaft. Das Final Four im Pokal findet am 28./29. April ohne sie statt. Das ungewollt freie Wochenende will Alba nutzen, um sich nach dem Frankfurt-Spiel (Sonntag, 17 Uhr, Max-Schmeling-Halle) eine Woche im Trainingslager auf den Bundesliga-Endspurt vorzubereiten.

Nur eines sollte das Team von Henrik Rödl in den nächsten Tagen besser nicht tun: das Ergebnis aus dem Pokal-Achtelfinale gegen Frankfurt nachschlagen. Ende Februar siegte Alba 83:49. Kein Resultat, das hungrig macht. Sondern höchstens übermütig.

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