Sport : Zurück in die Achtziger

Der Hamburger SV träumt von großen Zeiten

Karsten Doneck

Was ist neu?

Auf jeden Fall die gute Laune von Klaus Toppmöller. Zumeist griesgrämig lief der Trainer des Hamburger SV in der vorigen Saison herum. Seine Kommentare waren mitunter derart bissig, dass Sportchef Dietmar Beiersdorfer vom Trainer sogar schon mehr Sachlichkeit in seinen Beurteilungen forderte. Die Vorbereitungen auf die neue Saison nahm der Übungsleiter in weitaus aufgeräumterer Stimmung in Angriff. Er habe in der vorigen Saison doch mehr verwaltet, als seine eigenen Ideen umgesetzt, sagte Toppmöller, „aber jetzt habe ich eine Mannschaft, mit der ich mich hundertprozentig identifizieren kann“. Dazu beigetragen hat, dass der HSV in seinem Kader gründlich aufgeräumt und dabei auch gleich für über zehn Millionen Euro drei namhafte Profis eingekauft hat: Emile Mpenza und Benjamin Lauth für den Angriff sowie Daniel van Buyten als Abwehrchef. „Meine Wunschspieler, absolut“, wie Toppmöller sagt. Dass mit Hoogma, Hollerbach, Fukal und Maltritz allein vier Spieler aus der Defensivabteilung aussortiert wurden und nur ein neuer gestandener Abwehrmann hinzukam, könnte den Verdacht wecken, der HSV wolle seine Gegner nun in Grund und Boden stürmen. Nicht jedem erschließt sich diese Einkaufspolitik. Kritiker merken an, dass in der vorigen Saison nur vier Klubs mehr Gegentore kassiert haben als der HSV (60). Hätte Toppmöller nicht besser nach Profis Ausschau halten müssen, die eine Abwehr sicherer machen?

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Wer ist der Star?

Der geradezu kultmäßig verehrte Star ist fort. „Hermann Rieger – du bist der beste Mann“, schallte häufig der Fan-Gesang während der Heimspiele von der Nordtribüne der AOL-Arena. Nicht gerade schmeichelhaft für das fußballspielende Personal des HSV, denn Hermann Rieger ist der Physiotherapeut der Mannschaft – gewesen. Der gebürtige Franke hat sich in den Ruhestand verabschiedet. Jetzt wird ein neuer Star gesucht. Ob der diesmal zum balltretenden Personal gehört? Emile Mpenza, der zwei Millionen Euro teure Nationalspieler aus Belgien, bietet alle Voraussetzungen dafür, Liebling des Publikums zu werden. Schnell ist er, wendig, trickreich und torgefährlich. Seine Aktionen bergen das Maß an Ästhetik, das der Hamburger Zuschauer seit den Tagen des Argentiniers Rodolfo Esteban Cardoso so schätzt. Dass Mpenza, als er noch für Schalke 04 stürmte, durch schnelle Autos und schöne Frauen oft abgelenkt war, soll Vergangenheit sein. „Er ist reifer geworden“, behauptet Beiersdorfer. Das Zeug zum Publikumsliebling haben auch andere. Daniel van Buyten zum Beispiel. Oder Mehdi Mahdavikia, der Iraner. Vielleicht auch Tomas Ujfalusi, der Verteidiger.

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Was ist möglich?

In Hamburg trauen sie sich inzwischen wieder, den Fans in der Öffentlichkeit das Lied aus den Achtzigerjahren vorzududeln, in dem im Refrain die Frage gestellt wird: „Wer wird Deutscher Meister?“, und als Antwort: „Ha-ha-ha-HSV“. So geschehen unlängst bei der Saisoneröffnungsfeier vor dem UI-Cup-Rückspiel gegen den FC Thun. Die CD war zuletzt wohl schamhaft in einer der unteren Schubladen versteckt worden. Der HSV wieder ein Titel-Kandidat? Rund um den Hamburger Michel glauben manche wirklich, mit dieser Elf sei Ähnliches möglich, wie es Bremen in der vergangenen Saison geschafft hat: Aus dem Nichts zum Titel. Beim HSV wäre man indes froh, wenn am Ende wenigstens die direkte Qualifikation für den Uefa-Cup herausspringt. Dietmar Beiersdorfer registriert immerhin schon einen Stimmungswandel: „Man spürt, der Respekt vor dem HSV wird größer.“

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