Sport : Zurück in die Box

Trotz guten Debüts bleibt Sebastian Vettel in der Formel 1 vorerst Ersatzfahrer

Karin Sturm

Berlin - Glücklich, aber nicht euphorisch sah Sebastian Vettel aus. Er wirkte nach seinem Formel-1-Debüt in Indianapolis recht beherrscht. Dabei hatte ihm das Rennen doch eine eindrucksvolle Bestmarke beschert. Mit nur 19 Jahren ist er der jüngste Fahrer in der Formel-1- Geschichte, der je einen Weltmeisterschaftspunkt holte. Das allerdings war für Vettel bei weitem nicht die Hauptsache, sagte er. „Das ist ja ganz nett, aber letztlich war es nur für die Statistiker. Für mich zählt in erster Linie, dass ich beim Fahren einen Riesenspaß gehabt habe.“

Mit dem Ergebnis, dem achten Platz, war Sebastian Vettel zufrieden – soweit man das als Rennfahrer, ob Neuling oder nicht, eben sein kann, wenn man weiß, dass noch ein bisschen mehr drin gewesen wäre. „Nach dem Qualifying, das mit dem siebten Platz ja sehr gut lief, hatte ich schon mit Punkten gerechnet“, sagte der BMW-Pilot. Muss man wohl auch, wenn man ein Auto fährt, in dem der Teamkollege Nick Heidfeld sich auf dem Niveau von Ferrari bewegt. „Ohne den Fehler am Start, als ich ein bisschen zu spät auf der Bremse war, wäre ja wahrscheinlich noch mehr drin gewesen. Der sechste Platz, vor Trulli und Webber, das war möglich.“

Sein Teamchef Mario Theissen lobte zwar die Vorstellung seines Debütanten, allerdings hatte Theissen gerade voriges Jahr nach den ersten Testeinsätzen noch euphorischere Worte für seinen jungen Piloten gefunden. Auch ihm dürfte nicht entgangen sein, dass sich Vettel von seinen Rundenzeiten her doch im Schnitt deutlich weiter hinter Nick Heidfeld bewegte als etwa Robert Kubica bei seiner Premiere in Ungarn 2006. Dass der Heppenheimer für einen knapp 20-Jährigen eine sehr solide Vorstellung hinlegte, außer dem Fehler am Start am ganzen Wochenende keinen weiteren Fehler machte und seine Nerven unter Kontrolle behielt, war auch für Theissen sicherlich eine positive Erkenntnis. Aber unter Rennbedingungen bestätigte sich auch das, was aus dem BMW-Testteam schon seit Anfang des Jahres durchsickert, dass Vettel nämlich die Zeiten der Stammfahrer selten erreicht – im Gegensatz etwa zu Timo Glock, der im Schnitt deutlich näher dran sein soll.

Dass Vettel in dem Moment, in dem Robert Kubica wieder fit ist, zum Ersatzfahrer zurückgestuft wird, hat damit allerdings nichts zu tun. „Das wird auf jeden Fall so gehandhabt, selbst wenn er hier gewinnen sollte“, hatte Theissen schon vor dem Rennen in den USA klargestellt. Die größere Frage ist, was mit dem Blondschopf 2008 und danach passiert. Ein Renncockpit bei BMW wird er auch nächstes Jahr kaum bekommen, dafür sind Heidfeld und Kubica zu gut. Aber noch einmal nur mit der Ersatzfahrerrolle wird er sich auch kaum zufrieden geben wollen. Möglich wäre, dass er an ein anderes Team ausgeliehen wird. Etwa zu Toro Rosso, der Red-Bull-Dependance – zu Red Bull gibt es für Vettel ja sowieso noch vertragliche Bindungen. Ab 2009, so behauptet Red-Bull-Chef Dietrich Mateschitz, habe man wieder das Zugriffsrecht auf ihn. Theissen sieht das wohl etwas anders. Wobei sich solche Sichtweisen in der Formel 1 auf allen Seiten schnell ändern können, abhängig von den Leistungen der betroffenen Fahrer, ihrer Entwicklung, der Situation im eigenen Team – und nicht zuletzt von möglichen Geldflüssen.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben