Sport : Zurück in die Metropolen

Veranstalter wollen die deutsche Marathon-Meisterschaft aus der Provinz holen

Friedhard Teuffel

Berlin - Die Deutschen laufen gerne und viel Marathon, aber nicht schnell genug. Deshalb hat der Deutsche Leichtathletik-Verband (DLV) in diesem Jahr auch keinen Läufer nach Helsinki zur Weltmeisterschaft geschickt. „Der Verband hatte Angst vor der Medienhäme, wenn einer hinterherläuft. Vier Jahre vor der WM im eigenen Land haben wir keine lokalen Helden mehr“, sagt Horst Milde, der ehemalige Renndirektor des Berlin-Marathons und Sprecher der Straßenlaufvereinigung „German Road Races“. In der Krise der deutschen Langlaufszene hat Milde ein besonderes Ärgernis ausgemacht: die deutsche Marathon-Meisterschaft. Sie werde immer provinzieller.

Die deutsche Meisterschaft fand schon dreimal in Berlin statt und auch schon dreimal in Hamburg. In diesem Jahr wurden die Deutschen Meister in Regensburg ermittelt. Zur Veranstaltung kam nicht einmal ein Vertreter des DLV-Präsidiums. „Die Leistungen und die Popularität der Meisterschaft wären doch viel höher, wenn sie im Rahmen eines großen Marathons stattfinden würde“, sagt Milde. Das ist jedoch leichter gesagt als getan. Denn der DLV hat einen umfangreichen Vertrag mit Nike geschlossen, der dem Sportartikelhersteller zusagt, bei allen deutschen Meisterschaften exklusiver Sponsor zu sein. Nun haben die großen Marathons jedoch andere Ausrüster, Berlin etwa Adidas oder Hamburg Asics, und alle müssen ihre Verträge einhalten.

Frank Lebert, der sich bei Nike um die Leichtathletik kümmert, sagt: „Die Befürchtungen der Berliner sind legitim. Eine Meisterschaft als Dorffest liegt auch nicht in unserem Interesse.“ Gemeinsam mit dem DLV wolle Nike daher im nächsten Jahr die Meisterschaft in einen größeren Lauf integrieren. Die größten deutschen Marathons haben zurzeit alle andere Ausrüster als Nike.

Der Hamburger Renndirektor Wolfram Götz sieht allerdings auch Vorteile für eine Meisterschaft bei einer mittelgroßen Veranstaltung. „Wenn die Regensburger die Meisterschaft haben, machen 500 bis 1000 Läufer zusätzlich mit, bei uns dagegen nicht.“ Auch die Qualität der Veranstaltung würde in einer Metropole nicht automatisch steigen. „In Hamburg würde eine deutsche Meisterschaft in den Medien untergehen“, glaubt Götz. Und ob die besten deutschen Läufer starten, hänge manchmal einfach vom Antrittsgeld ab.

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