Sport : Zurück in die Provinz

Jörg Wenig

Olympiasieger Nils Schumann wird in der kommenden Saison wieder für seinen früheren Verein SV Creaton Großengottern starten. Dies bestätigte der 800-m-Läufer dem Tagesspiegel und dem Fachblatt "Leichtathletik". Schumann war vor einem Jahr aus Thüringen zur LG Nike Berlin gewechselt, hatte jedoch, wie vor rund zwei Wochen bekannt wurde, seinen noch bis Ende 2002 laufenden Vertrag vorzeitig gekündigt. Die Berliner Leichtathletik verliert mit dem heutigen Stichtag - um 24 Uhr läuft die Wechselfrist ab - ihren prominentesten Athleten, was sich künftig sogar bei den Fördergeldern für den Verband negativ bemerkbar machen könnte. Die Höhe der Gelder richtet sich nach dem Erfolg.

Spekulationen, dass der Berliner Klub vereinbarte Zahlungen an Nils Schumann nicht beziehungsweise zu spät geleistet hat, wollte der 23-Jährige nicht kommentieren. "Ich kann nur sagen, dass Zusicherungen der Berliner nicht erfüllt worden sind. Aber ich möchte jetzt keine schmutzige Wäsche waschen. Wir haben vereinbart, dass wir öffentlich nicht darüber sprechen", sagte Nils Schumann, der sich zurzeit noch in einem Trainingslager in Südafrika aufhält. "Für mich stellte sich die Frage: Wo finde ich das Umfeld, um wieder eine 100-prozentige Leistung bringen zu können und damit wieder in der Weltspitze mitlaufen zu können - das konnten mir die Berliner nicht bieten."

"Grundsätzlich bin ich nicht jemand, der dauernd den Verein wechselt. Ich möchte meine Verträge erfüllen. Aber ich glaube jetzt, vor einem Jahr habe ich mit dem Vereinswechsel eine falsche Entscheidung getroffen", sagt Schumann, der damals zwar seinen Wohnsitz wie geplant in Erfurt behielt, seinen Erfolgstrainer Dieter Hermann jedoch verlor. Das hat ihn offenbar doch weitaus stärker belastet als bisher bekannt. "Nach dem Olympiasieg ist viel passiert, es gab ein enormes Medieninteresse und viele Ehrungen. Dann kam auch noch die Trennung vom Trainer - das war ein Einschnitt, mit dem ich zu kämpfen hatte." Sein Vater Peter übernahm die Betreuung, doch nach einem erfolgreichen Saisonauftakt gab es wegen einer Muskelverletzung Probleme im WM-Vorfeld. Hermann half in dieser Zeit bereits wieder aus, und Schumann wurde immerhin noch Fünfter im Finale von Edmonton. "Ich habe schon damals alles versucht, um Dieter Hermann als Heimtrainer zurückzubekommen. Mein Vater hat das zwar recht gut gemacht, aber Hermann ist eine Persönlichkeit. Auf seinem Gebiet ist er ein Künstler - und es ist sehr schwer, einen neuen Trainer dieser Art zu finden."

In den Wochen nach der WM hat der Olympiasieger sein Ziel erreicht, er wird wieder von Hermann trainiert. "Wir sind beide glücklich darüber", sagt Nils Schumann. Die Rückkehr zum SV Creaton Großengottern, so lässt der Olympiasieger durchblicken, ist auch ein Entgegenkommen gegenüber seinem Trainer. "Der SV Creaton, das ist sein Werk. Er hat den Sponsor besorgt und die Trainingsgruppe aufgebaut." Und mit Nils Schumann kehrt nun auch das Aushängeschild zurück. "Wenn ich in Großengottern das Vorbild sein kann, dann bin ich das gerne."

Nach der missglückten WM-Saison ist Nils Schumann im kommenden Jahr Titelverteidiger: Die Europameisterschaften in München sind der Saisonhöhepunkt. Doch auch bei der Hallen-EM in Wien möchte er starten. Hier wurde er 2000 Zweiter. "Ich bin riesig motiviert und denke, dass ich wieder ein besseres Jahr haben werde." Dumm gelaufen für die LG Nike und die Berliner Leichtathletik.

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