Sport : Zurück nach dem Schock

Stipo Papic spielt erleichtert gegen Alba: Seinem angeschossenen Bruder geht es besser

Benedikt Voigt

Berlin. Der Abend, der so tragisch enden sollte, begann mit einem Telefongespräch. Mithat Demirel erinnert sich noch gut an das Gespräch mit Stipo Papic. Der Aufbauspieler von Alba Berlin sagt: „Stipo wollte noch etwas essen gehen.“ Irgendwann im Laufe jenes Abends aber landeten der Frankfurter Basketballer und sein Bruder Ivan im Offenbacher „Oscar Club“. Das ist eine Diskothek, die vor allem von Gästen aus dem ehemaligen Jugoslawien besucht wird. Kurz nach 23 Uhr betraten zwei maskierte Männer den Eingangsraum und gaben vier bis sechs Schüsse ab. „Wahllos oder gezielt“, sagt ein Polizeibeamter, der ungenannt bleiben will. Ein Querschläger traf Ivan Papic in die Hüfte, er musste auf die Intensivstation eingeliefert werden. Die Polizei geht davon aus, dass der Bruder von Stipo Papic als Unbeteiligter getroffen wurde.

Zwei Wochen sind seit jener Tat vergangen. Inzwischen geht es Ivan Papic besser, der 29-Jährige wird in den kommenden Tagen aus dem Krankenhaus entlassen. Auch Stipo Papic hat das schlimme Erlebnis verkraftet, so gut es eben geht. Die Kugel hätte auch ihn treffen können. Sprechen will er darüber nicht. Demirel, der oft mit ihm telefoniert, sagt: „Ich glaube, er ist ganz gut damit klargekommen.“ Heute wird der Centerspieler im Bundesligaspiel bei Alba Berlin (Max-Schmeling-Halle, 14.55 Uhr) wieder für die Frankfurt Skyliners spielen können. Das tat Papic bereits in der vergangenen Woche beim Sieg über den Mitteldeutschen BC. Der 24-Jährige machte sein bislang bestes Spiel für Frankfurt und erzielte 16 Punkte. „Ich denke, er war einfach erleichtert, dass sein Bruder glimpflich davongekommen ist“, erzählt Demirel.

Bei Alba Berlin machte man sich große Sorgen, als die Nachricht von der Schießerei bekannt wurde. In den vergangenen fünf Jahren spielte der jetzige Frankfurter für Alba Berlin, sein Bruder gehörte zum Umfeld des Berliner Basketballklubs. Stipo Papic ist in Berlin geboren und startete seine Karriere beim ASV Berlin und TuS Lichterfelde. Mit Alba holte er fünf Meisterschaften und zwei Pokalsiege. Allerdings nur auf dem Papier. Papic sagt: „Ich war der Pausenfüller.“

Anders in Frankfurt. „Hier gehöre ich zu den Spielern, die Verantwortung tragen“, erzählt er. Nun kommt er auf durchschnittlich 15,8 Minuten Spielzeit in der Bundesliga. Das konnte ihm der Deutsche Meister nicht bieten. „Wir haben nur zehn Plätze“, erklärt Trainer Emir Mutapcic. Sein Team muss jedes Jahr in der Europaliga eine gute Rolle spielen und die deutsche Meisterschaft holen. Zu hart war die Konkurrenz für den Spieler aus dem eigenen Nachwuchs. „Er war enttäuscht“, erzählt Mutapcic, „es war wichtig für ihn zu gehen.“ Nun kann er sich weiterentwickeln. Im Januar hätte er bereits in der Nationalmannschaft spielen sollen, musste aber wegen einer Grippe absagen.

Stipo Papic ist nicht der Einzige aus dem Berliner Nachwuchs, der sich zuletzt beim sechsmaligen Deutschen Meister nicht durchsetzen konnte. Tommy Thorwarth wurde an den Mitteldeutschen BC ausgeliehen und Sven Schultze wechselte nach Leverkusen. Doch im Gegensatz zu Schultze, den die Berliner gern behalten hätten, drängten bei Papic beide Seiten auf eine Trennung. „Er ist jetzt bei einem guten Verein“, sagt Mutapcic und wirkt beruhigt. Zumal die ehemaligen Spieler für Alba selten verloren sind. Aus der aktuellen Mannschaft kehrten Teoman Öztürk, Marko Pesic und Mithat Demirel nach einem Vereinswechsel wieder zurück. Vor der Saison hatte sich Alba um Patrick Femerling bemüht, doch dieser hatte vom FC Barcelona ein weitaus lukrativeres Angebot. „Wenn man zum richtigen Zeitpunkt weggeht, kann man auch wieder zurückkommen“, sagt Demirel. Im Moment ist eine Rückkehr aber noch kein Thema für Papic. Erst mal beschäftigt er sich mit dem heutigen Spiel. „Das Hinspiel haben wir gewonnen, aber in Berlin wird es sehr schwer.“

Emir Mutapcic hatte im Internet von der Schießerei gelesen und sofort besorgt bei Stipo Papic angerufen. „Gott sei Dank ist sein Bruder nicht schwer verletzt“, sagt Berlins Trainer. Im ersten Gespräch hat er dem geschockten Stipo Papic seine Unterstützung zugesagt. „Im Namen unserer Freundschaft, aber auch im Namen von Alba“, sagt der Coach. „Er ist unser Kind.“

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