Sport : Zurück zu alter Schwäche

Hertha BSC verliert beim Heimdebüt des neuen Trainers Karsten Heine 0:1 gegen Borussia Dortmund

Ingo Schmidt-Tychsen

Berlin - Herthas Trainer wollte nicht über den Schiedsrichter sprechen. Oder über den starken Gegner. Oder über sonst irgendetwas, das von der schwachen Leistung seiner Mannschaft ablenken würde. Es sei einfach zu wenig gewesen, was Hertha investiert habe, sagte Karsten Heine. Die Berliner verloren das Heimdebüt ihres neuen Trainers vor 64 382 Zuschauern im Olympiastadion zu Recht 0:1 (0:0) gegen Borussia Dortmund. Nun wartet Hertha schon seit dem 2:1 gegen den Hamburger SV am 3. Februar auf einen Heimsieg.

Hertha konnte den Schwung vom Sieg aus der vergangenen Woche in Bochum nicht auf die Begegnung mit Dortmund transportieren. Vielmehr fielen die Berliner vor allem in der zweiten Halbzeit in jene Verhaltensmuster zurück, die das Team in den Abstiegskampf gestürzt hatten: im Spielaufbau behäbig, im Mittelfeld ideenlos und im Angriff ohne Zielstrebigkeit. „Wir müssen noch ein paar Punkte machen, es gibt keinen Grund sich zurück zu lehnen“, sagte Manager Dieter Hoeneß. Ironischerweise rückte Hertha trotz der Niederlage einen Platz nach oben, weil Cottbus 0:2 verlor und somit die schlechtere Tordifferenz hat. Trotzdem haben die Berliner nur fünf Punkte Vorsprung auf Rang 16. Weil hinter Hertha aber noch elf Mannschaften in der Tabelle stehen, ist der Klassenerhalt selbst ohne einen weiteren Sieg möglich. Hoeneß bezeichnete die Lage deshalb als „nicht gefährlich“. Einige Fans stellten sich gestern trotzdem laustark gegen den Manager. „Hoeneß raus“, hallte es aus der Fankurve durch das Olympiastadion.

In der ersten Halbzeit des Spiels war Hertha die überlegene Mannschaft. Allzu schwierig war das nicht, weil die Dortmunder Hintermannschaft verunsichert wirkte. Das Team von Heine war häufig in Ballbesitz. Doch wenn sich die Berliner Spieler dann dem Strafraum der Dortmunder näherten, wurden sie nur selten gefährlich.

Als sich Ashkan Dejagah nach einer halben Stunde schließlich einmal gegen Christoph Metzelder durchgewurstelt hatte, bot sich den Berlinern die erste Chance. Yildiray Bastürk zielte aus 14 Metern knapp am Tor vorbei. Fünf Minuten später zirkelte Dejagah einen Freistoß an die Latte. Marko Pantelic war zuvor gefoult worden und erlitt eine Oberschenkelprellung. Nach seinen Angaben wurde er deshalb zur Halbzeit gegen Patrick Ebert ausgetauscht. Trainer Karsten Heine aber begründete die Auswechslung ausdrücklich mit der dürftigen Leistung des 28-Jährigen – und eben nicht mit dessen Verletzung.

Zu Beginn der zweiten Halbzeit ging Dortmund in Führung. Nach einem Eckball von Marc-André Kruska sprang BVB-Verteidiger Markus Brzenska höher als Josip Simunic und köpfte die Gäste aus sechs Metern in Führung. Es war bereits das achte Gegentor für die Berliner nach einem Eckball. „Da werden wir uns verbessern müssen“, sagte Hoeneß. Nach dem Treffer änderte sich das Spiel. Die Dortmunder waren nicht mehr behäbig und verunsichert, plötzlich spielten sie auch wie eine Mannschaft, die um den Klassenerhalt kämpft. „Wir haben in der zweiten Halbzeit stark gespielt. Aber der Abstiegskampf ist noch nicht vorbei, weil die anderen Mannschaften auch gepunktet haben“, sagte BVB-Verteidiger Christoph Metzelder.

Dortmund erzielte sogar noch ein zweites Tor. Dem eigentlich regulären Treffer von Alexander Frei verwehrte Schiedsrichter Peter Sippel nach Rücksprache mit dem Linienrichter zu Unrecht die Anerkennung. Kurz zuvor hatte Sippel auch auf der anderen Seite eine Fehlentscheidung getroffen. Herthas Dejagah wurde im Strafraum von Metzelder gefoult – Sippel hätte Elfmeter geben müssen. „Ich wurde hart am Bein getroffen und habe jetzt sogar eine Wunde“, sagte Dejagah. In der Schlussphase versuchte Hertha noch einmal Druck aufzubauen. Aber Chancen arbeiteten sich die Berliner nicht mehr heraus. Verteidiger Dick van Burik zog sich eine Viertelstunde vor dem Ende zudem eine Innenbandverletzung im Knie zu. Ihm droht eine längere Pause.

Vor dem Spiel hatten einzelne Hertha-Spieler bereits wieder vom Uefa-Cup geträumt. Gestern zerstörten sie diese Hoffnung ganz schnell wieder.

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