Sport : Zurück zu den Einzelkämpfern

Vor dem Spitzenspiel Alba – Bonn ist die Zukunft des Basketballs im Fernsehen ungewiss

Benedikt Voigt

Berlin. Vor zwei Wochen schlug im Presseraum der Max-Schmeling-Halle die Stunde der Öffentlichkeitsarbeit. Zuerst begann Trainer Ken Scalabroni von TXU Braunschweig, der eigentlich die Niederlage seiner Mannschaft gegen Alba Berlin beschreiben sollte. „Das war ein tolles Spiel für alle, die es angeschaut haben“, sagte der Braunschweiger Coach. Dann übte sich auch Emir Mutapcic in PR-Arbeit. „Man hat gesehen, wie gut das Produkt Basketball ist“, sagte Albas Trainer. Tatsächlich war das Bundesligaspiel, das live im Fernsehen zu beobachten war, spannend und spektakulär gewesen, aber das Ausmaß des Eigenlobs verwunderte. Doch Scalabroni lieferte noch den Hinweis dafür, warum Basketballtrainer plötzlich in PR-Arbeit machen. „Ich hoffe, dass in Zukunft noch weitere Spiele im Fernsehen gezeigt werden.“

Die Zukunft der Basketball-Bundesliga im Fernsehen steht in Frage. Vom heutigen Spitzenspiel der Basketball-Bundesliga (BBL) zwischen Alba Berlin und dem Tabellenführer Telekom Baskets Bonn (14.55 Uhr, Max-Schmeling-Halle) werden zwar noch Bilder zu sehen sein. Das Deutsche Sportfernsehen (DSF) wird das Spiel um den ersten Platz live übertragen, am Abend ab 18.35 Uhr wird Sat1 im ran-Basketball Magazin eine kurze Zusammenfassung senden. Doch wie es nach dieser Saison weitergeht, ist ungewiss. Der Fernsehvertrag der BBL mit den ehemaligen Kirch-Sendern Sat1 und DSF läuft aus, ebenso die Verträge mit den Hauptsponsoren s.Oliver und Deutsche Bahn. Albas Vizepräsident Marco Baldi sagt: „Es wird mit Sicherheit schwierig, einen ähnlichen Vertrag abzuschließen.“

Vieles hängt vom Fernsehen ab. „Wir führen erste Gespräche mit den Sponsoren, aber die wollen auch wissen, wie es mit dem Fernsehen weitergeht“, sagt BBL-Commissioner Otto Reintjes. Das aber weiß das Fernsehen im Moment selber nicht. „Wir sind dabei, das Engagement zu prüfen“, erklärt Sat-1-Programmkoordinator Alexander Rösner, „deshalb kann ich im Moment nichts dazu sagen.“ Er bescheinigt der Zusammenarbeit mit der BBL und den Sponsoren hohe Professionalität. Das Fernsehen verdiente durch die BBL-Sponsoren sogar Geld, und musste im Gegenzug Sendeplatz zur Verfügung stellen. „Das ist eine Win-Win-Situation für alle Beteiligten“, sagt Baldi. Die Bundesliga ist im Fernsehen vertreten, das Fernsehen verdient Geld, und die Sponsoren erreichen eine genau umrissene Zielgruppe.

Doch etwas stört die gute Bilanz. „Wenn es ein Problem gibt, dann ist es der Marktanteil“, sagt Sat-1-Mann Rösner. Durchschnittlich schalten etwas mehr als eine Million Zuschauer am Sonntagabend die Magazin- Sendung ein. Rösner sagt. „Für einen großen Sender wie Sat1 ist das nicht zufriedenstellend.“ Reintjes zweifelt die Messmethode an. „Die Randsportarten werden davon ganz schlecht erfasst.“ Allerdings profitiert die Basketball-Sendung auch noch davon, dass sie vor der Fußball-Bundesliga gesendet wird. Doch selbst Deutschlands Volkssport Nummer eins ist bei Sat1 fraglich. Sollte sich der Sender gegen Fußball entscheiden, dürfte es auch um die Zukunft des Basketballs bei Sat1 schlecht bestellt sein.

Die Situation wird durch den vollzogenen Gesellschafterwechsel bei Sat1 und den bevorstehenden beim DSF noch komplizierter. „Ein Gesellschafter hat sehr viel Einfluss auf das Programm“, sagt Otto Reintjes. Immerhin sagte der neue Sat1-Gesellschafter Haim Saban bereits: „Wir sind an allen großen Sport-Events interessiert – auch an der Champions-League und der Fußball-Weltmeisterschaft.“ Bleibt die Frage, ob Bundesliga-Basketball ein großer Sport-Event ist.

„Wir wollen eine Mainstream-Sportart werden“, sagt Reintjes stets. Ohne Fernsehpräsenz dürfte das schwer werden. Dennoch herrscht keine Panik bei den Bundesligisten. „In unserem Etat macht das Fernsehgeld knapp zwei Prozent aus“, sagt Marco Baldi. Allerdings ist Fernsehpräsenz für die Sponsoren von Bedeutung.

Ein Rückfall in die Zeiten vor drei Jahren, als die öffentlich-rechtlichen Sender trotz Fernsehvertrag keine Bilder aus der Basketball-Bundesliga sendeten, wäre zwar der schlimmste anzunehmende Unfall. Aber selbst das schreckt die Verantwortlichen der BBl nicht. „Basketball war in den Neunzigerjahren nur selten zu sehen, trotzdem hat die Bedeutung der Sportart zugenommen“, sagt Reintjes. Eine Zukunft ohne Fernsehvertrag beschreibt Baldi so: „Das Einzelkämpfertum würde wieder mehr zunehmen.“ Die Vereine wären dann wieder mehr auf sich gestellt. Dennoch ist ihm vor der Zukunft nicht bange. „Die Bundesliga wird nicht untergehen.“

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