Sport : Zurück zu Hause

WM-Gold für Bartko, der nur noch Bahnfahrer ist

Hartmut Moheit

Berlin - Auf die Frage, was er als Straßenrennfahrer am meisten vermisst habe, antwortete Robert Bartko: „Die Nähe zu den Fans.“ Das war Ende Januar, und der 29-Jährige stand gerade unter dem Eindruck, Publikumsliebling beim Berliner Sechstagerennen zu sein. Förmlich „aufsaugen“ wollte er erst einmal dieses Fluidum, sich aber auch sehr bald „mit dem Ziel Olympia 2008 beschäftigen“. Und nun, ziemlich genau acht Wochen danach, konnte sich Robert Bartko in Los Angeles als neuer Weltmeister in der 4000-m-Einzelverfolgung feiern lassen. Der Profi vom RSV „Werner Otto“ Berlin setzte sich im Finale souverän in 4:27,732 Minuten gegen den Titelverteidiger und Olympiadritten Sergi Escobar (Spanien/4:29,930) durch. Mit dem zweiten WM-Gold nach 1999 ist er auch „wieder zu Hause angekommen. Bis Peking gilt meine Konzentration einzig dem Bahnfahren“, versicherte der Potsdamer.

Nach dem Doppelolympiasieg in Sydney dachte Bartko eigentlich, die Zeit sei für ihn reif, das Holz der Bahn mit dem Asphalt und dem Kopfsteinpflaster der Straße tauschen zu müssen. Erst strampelte er sich für das Team Telekom ab, dann für die Niederländer von Rabobank. Ein paar gute Zeitfahren gelangen ihm in dieser Zeit, aber aus seiner heutigen Sicht ist ihm „der Durchbruch auf der Straße nicht gelungen. Der Umstieg war vielleicht auch vom Alter her zu spät.“ Dennoch mochte Bartko seine gesammelten Erfahrungen als Straßenprofi nicht missen. Nebenbei war er ja ohnehin auf der Bahn aktiv, wurde im vergangenen Jahr in diesem Nebenjob sogar WM-Dritter in der Einzelverfolgung. Doch für die Ansprüche dieses Weltklassefahrers, den das Erlebnis Friedensfahrt als Kind einst zum Radsport gebracht hatte, war das zu wenig. Vor allem die zwei vierten Plätze bei Olympia in Athen störten ihn sehr. „Da war mir klar, dass mit halben Sachen nichts zu machen ist“, sagte Bartko im Januar im Velodrom von Berlin. Außerdem hatten ihm die Chefs von Rabobank längst signalisiert, dass er keinen neuen Vertrag für die neue Straßensaison bekommen würde. „Ich hatte mich letztlich doch verzettelt.“

In dem auf dem Sportkomplex „Home Depot Center“ von Los Angeles errichteten Velodrom, dem einzigen überdachten in Nordamerika, ging mit dem WM-Titel von Bartko ein Signal aus, das nun auch den Vierer erreichen soll. Podestplätze waren für die einstige Paradedisziplin zuletzt nicht in Reichweite. Nach dem WM-Boykott von Stuttgart 2003 soll langfristig eine neue Mannschaft um Bartko und Guido Fulst aufgebaut werden. Das braucht mehr Zeit als ein Comeback.

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