Sport : Zurück zum Erlebnis

Die DFL arbeitet ihr Sicherheitskonzept um.

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Berlin - Die „Kommission Sicherheit“ heißt ab sofort „Kommission Stadionerlebnis“. Auch sonst gibt sich die Deutsche Fußball-Liga (DFL) in einer überarbeiteten Version ihres Sicherheitskonzepts große Mühe, von der Law-and-Order-Rhetorik wegzukommen und zumindest symbolisch auf die Fans zuzugehen. Im September hatte die DFL das Papier schon einmal an die deutschen Profiklubs geschickt, nach harter Kritik von einigen Klubs sowie aus der Fanszene erstellte der Ligaverband nun eine neue Version, die den Klubs am Donnerstag mit der Bitte um Stellungnahme zugestellt wurde.

Wichtigste Änderung in dem überarbeiteten Papier, das dem Tagesspiegel vorliegt, ist die komplette Abkehr von einem zuvor geforderten Fankodex. Bei Verstößen einzelner Fans gegen diesen Kodex oder die Stadionordnung sollten die Klubs die Möglichkeit erhalten, ganzen Fangruppierungen Privilegien wie Dauerkarten oder das Recht auf Blockfahnen zu entziehen. An die Stelle dieser Punkte ist eine „Verpflichtung zum Dialog“ getreten. Die Vereine sind aufgerufen, einen „offenen, regelmäßigen und verbindlichen“ Dialog mit ihren Anhängern zu führen. Andere Punkte wie die Verbesserung der Video-Überwachungssysteme in den Stadien bleiben weitgehend unverändert, auch die umstrittenen „Vollkontrollen“ beim Einlass sind nach Ermessen des Heimvereins weiter möglich. Dafür betont die DFL ihr „Bestreben, die positive Fußballkultur zu schützen. Dazu gehören auch die Stehplätze.“ Im ursprünglichen Konzept hatte die DFL auch Forderungen an Polizei und Justiz gestellt, dieser Abschnitt wurde ersatzlos gestrichen. Gernot Stenger, Vorstand des FC St. Pauli, hat die Kommission auf Druck der Fans des Zweitligisten mittlerweile verlassen. Aufseiten des Ligaverbands nimmt nun auch der DFL-Fanbeauftragte Thomas Schneider an den Beratungen teil.

Während Michael Gabriel von der Koordinationsstelle der Fanprojekte die Diskussion nun „auf einem guten Weg“ sieht, stößt das umgearbeitete Papier nicht überall auf Gegenliebe. „Im Grunde genommen hat sich die DFL nicht bewegt“, sagt Philipp Markhardt vom Bündnis Aktiver Fußballfans (Baff) und spricht von einer „Enttäuschung“. Nach Ansicht des HSV-Anhängers seien Teile des Konzepts sogar „verschlimmbessert“ worden. In der Fanszene wird befürchtet, der „verbindliche Dialog“ sei nur eine euphemistische Umschreibung für den verhassten Fankodex. Bis zum 22. November haben die Profiklubs nun erneut Zeit, sich zu dem Konzept zu äußern. Am 12. Dezember wird dann die DFL-Mitgliederversammlung entscheiden, ob und wie es umgesetzt wird. Lars Spannagel

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