Sport : Zurück zur alten Liebe

Steffen Baumgart spielt heute mit Magdeburg gegen seine alten Klub Union

Matthias Koch

Berlin - Steffen Baumgart wohnt im so genannten Märchenviertel in Berlin-Köpenick. Das liegt nicht einmal fünf Autominuten vom Stadion des Fußball-Regionalligisten 1. FC Union Berlin entfernt. Doch heute muss der 36-Jährige eine etwas längere Anreise zur Alten Försterei in Kauf nehmen. Baumgart, inzwischen vom Stürmer zum Verteidiger umfunktioniert, kommt im Mannschaftsbus des 1. FC Magdeburg vorgefahren (Spielbeginn 14 Uhr) – als sportlicher Gegner. Für den bekennenden Union-Sympathisanten stellt das durchaus ein moralisches Problem dar. „Jeder weiß, dass das nicht einfach für mich ist“, sagt Baumgart am Telefon. „In Magdeburg haben wir unsere eigenen Sorgen.“

Der 1. FC Magdeburg, 1974 einziger Europacup-Sieger der DDR, kämpft seit Monaten um die Qualifikation für die neue Dritte Liga. Derzeit fehlt der Mannschaft ein Punkt zum Erreichen dieses Ziels. Der 1. FC Union hat dieses schon sicher erreicht. Inzwischen peilen die Berliner sogar die Zweite Liga an. Auch Steffen Baumgart hätte fast dabei mithelfen können. Zu Beginn dieses Jahres wurde nach seiner Vertragsauflösung bei Energie Cottbus beim 1. FC Union offen über die erneute Verpflichtung des einstigen Publikumslieblings diskutiert.

„Meine Beziehung zu Union? Dort hatte ich meine schönsten Jahre“, sagte Baumgart in dieser Phase. Er hat zwischen 2002 und 2004 für den 1. FC Union 64 Zweitligapartien bestritten. Dabei überzeugte er nicht nur mit seinen 22 Toren. Baumgart zog die Zuschauer schnell auf seine Seite – insbesondere dank seiner unbändigen Kampfkraft. Zwei Mal wählten ihn die Fans zu „Unions Fußballer des Jahres“. Steffen Baumgart hat die Zuneigung erwidert. Im Tunnel unter der Anzeigetafel des Union-Stadions hat er vor mehr als drei Jahren einen sogenannten Stadiongründerstein erworben. Die Aufschrift lautet: „Steffen Baumgart - Wir sehen uns“.

Der 225-fache Erstligakicker von Hansa Rostock, VfL Wolfsburg und Energie Cottbus durfte im Winter aber nicht zurück zu Union. Die offizielle Absage war dem Verein sogar eine Pressemitteilung wert, weil in diesem Fall, laut Präsident Dirk Zingler, „nicht nur sportliche Aspekte zu berücksichtigen waren“. Union-Trainer Uwe Neuhaus hat indes keine Lust mehr, über den danach zum 1. FC Magdeburg gewechselten Baumgart zu sprechen.

Muss er auch nicht unbedingt. Schließlich hat der anstelle von Baumgart verpflichtete Ex-Babelsberger Shergo Biran mit fünf Toren zu Unions Aufschwung prächtig beigetragen. Und selbst die Beliebtheit Baumgarts macht Neuhaus keine Angst: „Wir haben ihn beim Spiel in Cottbus gegen die zweite Mannschaft schon einmal geschlagen.“

Am 7. Oktober 2007 hatte sich Steffen Baumgart freiwillig für seinen einzigen Einsatz bei den Cottbuser Azubis beworben. Der damalige Energie-Trainer Heiko Weber warf dem Routinier nach der 0:2-Niederlage jedoch Unprofessionalität vor: Baumgart hatte sich nach dem Abpfiff demonstrativ von den Union-Fans feiern lassen.

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