Sport : Zurück zur Disziplin

Nach der zum Teil hektischen Suche ist Schalke fündig geworden – Jupp Heynckes wird neuer Trainer

Richard Leipold

Gelsenkirchen. Auch unendliche Geschichten haben manchmal ein Ende, und manchmal sogar ein gutes. Rudi Assauer hat die Suche nach einem neuen Trainer für den FC Schalke 04 gestern erfolgreich abgeschlossen, und nach wochenlangem Schweigen fand der Manager am Dienstagvormittag auch seine Sprache wieder. „Wir haben den Trainer verpflichtet, der von Anfang an erste Wahl für uns gewesen ist“, sagte Assauer. Der Wunschkandidat, der Schalke so lange hat warten lassen, heißt Jupp Heynckes. Gestern bestätigte er bei einer Pressekonferenz seines aktuellen Arbeitgebers Athletic Bilbao die seit Tagen kursierenden Gerüchte, er werde neuer Trainer des Gelsenkirchener Fußball-Bundesligisten. „Ich habe Schalke am Vormittag grünes Licht gegeben, dass ich komme.“ Die Nachricht als solche überraschte niemanden mehr, wohl aber der Zeitpunkt. Tags zuvor hatte Heynckes noch gesagt, vor dem Wochenende werde keine Entscheidung mehr fallen.

Während die Verhandlungen sich zeitweise zäh dahinschleppten und vorübergehend sogar gescheitert schienen, soll nun alles ganz schnell gehen. Am Sonntag will Heynckes mit Bilbao am letzten Spieltag der spanischen Primera Division bei Tabellenführer Real Madrid den sechsten Tabellenplatz verteidigen, der die Basken zur Teilnahme am Uefa-Pokal berechtigen würde. Zwei Tage später tritt der in Mönchengladbach geborene Trainer zum ersten Mal in Gelsenkirchen vor die Presse. Am kommenden Mittwoch leitet er das erste Training nach dem Urlaub der Spieler. Während die Profis frisch erholt aus den Ferien kommen, arbeitet Heynckes in diesem Sommer durch.

Größte Erfolge in Madrid

Nach einigen Dienstjahren in Spanien und Portugal freut er sich „riesig auf die neue Herausforderung in der Bundesliga“, sagt er. Neben dem sportlichen Aufschwung, den Schalke im vergangenen Jahrzehnt genommen habe, sei auch das neue Stadion ein Grund gewesen, ins Revier zu wechseln. In der Schalke-Arena sei die Stimmung „sicherlich nicht anders“ als etwa im Bernabeu-Stadion von Madrid. In der spanischen Hauptstadt hat Heynckes seinen größten Erfolg als Trainer erreicht. Im Mai 1998 führte er Real zum Gewinn der Champions League; kurz darauf wurde er entlassen, weil er den nationalen Meistertitel verpasste.

Die Spieler sollen zusammenrücken

Heynckes erfüllt sämtliche Kriterien des Anforderungsprofils, das Schalkes Manager Rudi Assauer für den neuen Trainer entworfen hatte. „Er hat einen hervorragenden Eindruck hinterlassen“, sagt er. „Zum einen waren wir von seiner Fußball-Philosophie überzeugt, zum anderen hat uns besonders seine Auffassung zum Thema Disziplin gefallen.“ Eine Fülle von Verstößen gegen die Ordnung, auf dem Platz und abseits des Rasens, hat Schalke in der abgelaufenen Saison die Qualifikation für den Uefa-Pokal gekostet.

Die Spieler werden sich darauf einstellen müssen, künftig näher zusammenzurücken. „In Bilbao darf kein Spieler weiter als 20 oder 30 Autominuten vom Trainingsgelände entfernt wohnen. Diese Bedingung lebt Heynckes vor, das wird er auch bei uns tun.“ Obwohl seine Familie ein Haus in Mönchengladbach besitze, werde der Trainer zusätzlich ein Appartement in Gelsenkirchen beziehen. Die räumliche Nähe zum Verein und zum Stadion ist auch Bestandteil von Spielerverträgen. Der in Ostwestfalen wohnende Mittelfeldspieler Jörg Böhme etwa musste sich verpflichten, seinen ersten Wohnsitz in den Raum Gelsenkirchen zu verlegen.

In der Bundesliga hat Heynckes zuletzt in der Saison 1994/95 gearbeitet. Bei Eintracht Frankfurt wurden ihm seine Disziplinarmaßnahmen selbst zum Verhängnis. Nachdem er die Profis Gaudino, Yeboah und Okocha suspendiert hatte, musste er selbst gehen, obwohl er zuvor mit Bayern München zweimal Meister geworden war. Als kompromissloser Vorgesetzter scheint er in Schalke willkommen zu sein. Assauer will einen Trainer, der auch im Misserfolg Charakter zeigt. Da Heynckes sich zunächst nicht festlegen wollte, gab es noch andere Bewerber. Doch Bert van Marwijk (Feyenoord Rotterdam), Felix Magath (Stuttgart) und Christian Gross (FC Basel) sagten ab. Heynckes habe sich jederzeit professionell verhalten, sagt Assauer. „Das zeigt uns, dass er der richtige Mann ist.“

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