Sport : Zurück zur Lust

Herthas einzige Hoffnung heißt Marcelinho – wird er gegen Leverkusen spielen oder gibt er nur den Gute-Laune-Bären ab?

Stefan Hermanns,Michael Rosentritt

Von Stefan Hermanns und

Michael Rosentritt

Berlin. Wenn die Stimmung schlecht ist, werden Witze geboren. Bei Hertha BSC könnte einer so gehen: Kommt ein wildfremder Besucher auf die Geschäftsstelle. Plötzlich läuft ihm Manager Dieter Hoeneß über den Weg. Der Besucher fragt: Wer hat hier eigentlich das Sagen? Hoeneß: Hier gibt es drei Chefs, zwei davon bin ich.

Gelacht wird momentan kaum beim Berliner Bundesligisten. Nach dem Erstrundenaus im Uefa-Cup in der polnischen Provinz hat sich die trostlose Lage noch einmal zugespitzt. Ausgerechnet heute kommt auch noch Leverkusen vorbei, und die bange Frage lautet: Warum soll ausgerechnet gegen den Tabellenzweiten gelingen, was zuvor gegen acht andere Mannschaften nicht klappte – der erste Bundesligasieg? Die Hoffnungen ruhen allem Anschein nach darauf, dass Marcelinho mitwirken kann. Denn das, was Hoeneß bei Hertha auf administrativer Ebene ist, ist der Brasilianer auf dem Rasen.

In Marcelinho fehlen der Mannschaft gleich zwei entscheidende Spieler. In den beiden vergangenen Jahren war er nicht nur Herthas erfolgreichster Torschütze, sondern auch Herthas erfolgreichster Vorlagengeber. Die Frage ist: Wird Trainer Huub Stevens das Risiko eingehen, den gerade erst wieder genesenen Spielmacher heute schon gegen Leverkusen einzusetzen? „Ich bin noch nicht bei 100 Prozent“, sagt Marcelinho. „Ich würde gern spielen, aber man muss analysieren, was besser für mich ist und was für Hertha.“ Immerhin wurde er gestern von Trainer Huub Stevens für den Kader nominiert.

Am 2. August hatte Marcelinho sich einen Ermüdungsbruch im rechten Fuß zugezogen. Er trug sechs Wochen Gips. „Die Monate auf der Tribüne waren schrecklich“, sagt er. Mit der Mannschaft hat er erst zweimal trainiert. Das ist nicht gerade das optimale Aufbauprogramm. Aber der Druck ist groß – auf die Mannschaft und auf den Trainer. „Ich weiß, dass die Mannschaft keine gute Phase hat, dass sie unter meinem Ausfall ein wenig gelitten hat“, sagt Marcelinho. Ein wenig ist ein wenig untertrieben. Der 28-Jährige ist Herthas Vorbereiter und Vollstrecker. Mit seiner Spielweise ist er die Seele des Teams und letztlich Herthas einziges Argument für die eigenen hohen Ziele. „Ich denke, dass ich der Mannschaft helfen kann. Vielleicht noch nicht über 90 Minuten“, sagt Marcelinho.

Der Brasilianer ist bekannt für seinen grenzenlosen Optimismus. Er tanzt selbst noch nach Niederlagen bis tief in den Morgen. Dann gewinnen wir eben das nächste Spiel und das übernächste. Die Mannschaft kämpft im Moment gegen den Abstieg, aber Marcelinho sagt: „Ich glaube daran, dass sich Hertha noch für den Uefa-Cup oder die Champions League qualifiziert.“ Solche Zuversicht kann die Mannschaft gebrauchen. Aber was passiert, wenn sich Marcelinho erneut verletzt? Wahrscheinlich wird er heute auf der Ersatzbank sitzen, quasi als Gute-Laune-Bär. Es wäre eine vertretbare Variante, aber auch jene, die am wenigsten Spaß macht.

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