Sport : Zurück zur Tradition

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Stefan Hermanns über den Aufstieg und Fall des Tennis

Ein kluger Kopf hat den Ablauf der Menschheitsgeschichte einmal als die Geschichte vom Aufstieg und Fall von Weltreichen gewertet. Der Aufstieg trägt den Keim des Niedergangs bereits in sich, und dieses Phänomen ist – im Kleinen – auch im Sport zu beobachten. Eine Sportart wächst und wächst, und vielleicht verliert sie irgendwann die Bodenhaftung, weil sie denkt, dass es immer so weitergehen könnte. Tut es natürlich nicht. Man muss diese Entwicklung nicht unbedingt negativ sehen, man kann sie auch als natürlichen, und damit gesunden Prozess verstehen – wenn nämlich irgendwann nicht mehr das ganze Drumherum entscheidend ist, sondern, um einmal eine Anleihe aus der Fußballterminologie zu nehmen, nur „auffem“ Platz zählt.

Insofern muss man die Krise des Tennis in Deutschland nicht unbedingt als Krise begreifen, man kann sie als Chance sehen. Zumindest aus sportlicher Sicht. Dass Boris Becker derzeit in Hamburg versucht, die alten Zeiten in die Zukunft hinein zu verlängern, schadet dem Ganzen eher, als dass es ihm nützt. In Berlin, bei den German Open, sind hingegen eher positive Signale ausgesendet worden. In Berlin hat das Tennis gewissermaßen zu sich selbst zurückgefunden, in die PräBoris-Ära, als es Tenniszuschauer gab und Fußballfans, aber keine Tenniszuschauer, die sich wie Fußballfans aufführen.

Auch in modischer Hinsicht ist eine Abkehr von den Scheußlichkeiten der Moderne festzustellen. Vorbei sind die Zeiten, als das Outfit von Andre Agassi bunter war als das Bild einer Fünfjährigen. Jennifer Capriati hat bei den German Open ganz in Weiß gespielt. So mögen es die Traditionalisten in Wimbledon am allerliebsten. Und nicht nur die.

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