Sport : Zurücktreten, vorausblicken

Robert Ide

über den Neuanfang bei der Deutschen Sporthilfe In der Krise eröffnen Rücktritte den Blick nach vorne. Deshalb ist der sofortige Rückzug von Hans-Ludwig Grüschow als Chef der Deutschen Sporthilfe folgerichtig. Er war auch inhaltlich notwendig, denn Grüschow hatte Wilfried Mohren, den Sportchef des Mitteldeutschen Rundfunks, als so genannten Medienbotschafter engagiert und heimlich bezahlt. So etwas ist nicht akzeptabel – denn es stellt einen Eingriff in journalistische Entscheidungsfreiheiten dar. So etwas muss aufgedeckt werden – bis hin zur letzten Gegenleistung, die Mohren dafür erbracht hat. Damit dies zügig geschehen kann, braucht es einen personellen Neuanfang.

Es wird allerdings noch eine Weile dauern, bis die Sporthilfe wieder unbelastet nach vorne blicken kann. Der Ruf, dass ausgerechnet eine sich gern als selbstlos präsentierende Stiftung positive Medienberichte zu erkaufen versuchte, wird jetzt negativ an ihr haften. Doch die Sporthilfe hat sich in den vergangenen Jahren auch einen anderen Ruf erarbeitet: als Förderer und Ausbilder von Spitzenathleten, als Akquisiteur privater Sponsorenmittel für den Sport. Welches dieser öffentlichen Bilder sich auf Dauer durchsetzt, hängt von dem Vertrauen ab, für das die Sporthilfe nun neu – und unentgeltlich – werben muss. Dazu braucht es auch klarere Richtlinien zur Zusammenarbeit mit den Medien.

Eine Frage bleibt noch: Wie will eigentlich das öffentlich-rechtliche Fernsehen sicherstellen, nicht wieder wegen möglicherweise gekaufter Sportberichte in den Blickpunkt zu geraten? Hier ist noch nicht viel geschehen, das einen Blick nach vorne rechtfertigen würde.

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