Sport : Zusammen allein

Hannover 96 steckt in der Krise: Die Fans rebellieren und Manager Schmadtke wittert eine Kampagne.

Zum Schreien. Beim 0:0 gegen Stuttgart ließ 96 um Konstantin Rausch (Mitte) wichtige Punkte für die erhoffte Europa-League-Qualifikation liegen.Foto: dpa Foto: dpa
Zum Schreien. Beim 0:0 gegen Stuttgart ließ 96 um Konstantin Rausch (Mitte) wichtige Punkte für die erhoffte...Foto: dpa

Hannover - Die Nullnummer an sich war ja am Sonntagabend schon ärgerlich genug gewesen. Bundesligist Hannover 96 hat aber noch ganz andere Probleme als die schwindenden Chancen auf die dritte Europa-League-Teilnahme nach dem 0:0 gegen den VfB Stuttgart. Rund um den müden Auftritt der Niedersachsen kamen die ganzen Brandherde zum Vorschein, am lautstärksten bei den unflätigen Schmährufen der 96-Ultras gegen Klubchef Martin Kind – leiser beim sich anbahnenden Abschied von Manager Jörg Schmadtke.

Die Rufe „Kind raus“ und das Plakat mit dem Satz „Martin, halt die Fresse“ gehörten noch zu den harmloseren Attacken. Der Präsident liegt mit einem Teil der Fans schon länger im Clinch, jetzt kochte der Streit wieder hoch. Kind hatte in der Vorwoche bei einem Fan-Treffen gesagt, dass der Klub vor seiner Amtsübernahme 1997 ein „Scheißverein“ gewesen sei. Die lauten und beleidigenden Proteste der Ultras wurden mit einem gellenden Pfeifkonzert von einem anderen Teil der Fans beantwortet und zeigen eine Zerrissenheit, die es auch in der Führungsebene gibt. Dort läuft alles noch ein wenig dezenter ab.

Es mehren sich indes die Anzeichen, dass Sportchef Jörg Schmadtke den Verein demnächst verlassen wird. Nachfragen dazu wollte der Sportdirektor nach dem Spiel nicht beantworten. Vor der Partie hatte er beim Fernsehsender Sky auf seinen unbefristeten Vertrag hingewiesen und gesagt: „Ich bin voll in der Planung für die neue Saison.“ Dazu zählt im Moment vor allem die Personalie um 96-Stürmer Mame Diouf. „Wir haben uns ausgetauscht und es wird weitere Gespräche geben. Unser Druck ist nicht groß, wir würden gerne über 2014 hinaus mit ihm zusammenarbeiten“, sagte Schmadtke. Mehr Druck gibt es anderswo.

Es hat sich bei ihm einiges aufgestaut. Das nicht sonderlich gute Verhältnis des Managers zu Trainer Mirko Slomka ist seit längerem bekannt. Hinzu kommt nach Ansicht von Schmadtke die „Kampagne“ einer Zeitung gegen ihn. Und Klubchef Kind – bewusst oder unbewusst – befeuert die Berichterstattung über Interna und schwächt damit Schmadtkes Position. Das alles scheint den Sportdirektor zu zermürben. „Das, was in den Medien geschrieben wird, ist nicht die Wirklichkeit“, sagte der Trainer. Und auf Fragen zu Schmadtke antwortete Slomka, „dass wir regelmäßig daran arbeiten, Verträge zu verlängern. Das ist wie immer. Wir arbeiten zielstrebig zusammen.“

Zu einem drohenden Abschied von Schmadtke sagte der Coach: „Darüber weiß ich ehrlicherweise gar nichts. Jörg hat mir gegenüber davon nichts erwähnt.“ Letzteres wäre angesichts des schwierigen und durch Kommunikationsmangel gekennzeichneten Verhältnisses der beiden auch überraschend.

„Ich gehe davon aus, das er ganz normal seinen Job macht und wir kommende Saison weiterhin zusammenarbeiten werden“, versicherte Slomka. Wahrscheinlicher scheint derzeit allerdings, dass Schmadtke die Planungen für die kommende Saison umsetzt und den Klub zur neuen Spielzeit verlässt.

Harsche Kritik gab es nach dem Stuttgart-Spiel von Sergio da Silva Pinto. „Wir erreichen unsere Ziele nur zusammen, aber das scheint im Moment nicht so der Fall zu sein“, schimpfte der Profi und antwortete auf weitere Fragen nur: „Das ist eine Feststellung.“ Der Trainer wiederum sagte dazu vielsagend: „Ich nehme an, er meint damit auf dem Platz.“dpa

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