Sport : Zusammengewachsen in Europa

Alba beendet die Europaliga-Saison am Donnerstag in Madrid. Mit Stolz blicken die Berliner auf das Erreichte zurück.

Lars Spannagel
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Großer Abstand zur Spitze. Alba (rechts, gegen Tel Aviv) in der Europaliga.Foto: ddp

Berlin - Vor fünf Wochen war Alba Berlin am Boden. Die Spieler schlichen mit hängenden Köpfen vom Parkett, Casey Jacobsen sprach von einer „herzzerreißenden“ Niederlage, Trainer Luka Pavicevic wankte abgekämpft und leichenblass zur Pressekonferenz. Gerade hatte Alba in der Basketball-Europaliga vor mehr als 11 000 Zuschauern gegen Real Madrid eine 19-Punkte-Führung verspielt und in einer dramatischen Endphase noch 84:87 verloren. Vor dem heutigen Rückspiel in Madrid (20.15 Uhr, live bei Eurosport) ist Albas Situation eine andere. Die Berliner haben zwar alle fünf bisherigen Spiele in der Zwischenrunde verloren und sind seit zwei Wochen ausgeschieden, blicken vor dem letzten internationalen Spiel der Saison aber vor allem mit Stolz auf eine erfolgreiche Europaliga-Spielzeit zurück.

Ein „sehr, sehr positives Fazit“ zieht Albas Geschäftsführer Marco Baldi: „Wir waren wieder Frischlinge und wussten nicht, wo wir stehen.“ Mit vier Siegen aus zehn Vorrundenspielen zogen die Berliner überraschend in die Runde der besten 16 Mannschaften Europas ein. Dort wurden Alba allerdings deutlich die sportlichen Grenzen aufgezeigt. „Wir sind noch ein gutes Stück weg davon, ernsthafter Anwärter fürs Final Four zu sein“, sagt Baldi. Die Niederlage gegen Real stecke auch in dieser Hinsicht „wahnsinnig tief“ – einen Sieg in der Runde der besten 16 hat noch keine deutsche Mannschaft geholt.

„Gegen die Großen gewinnt man eben nur, wenn man sich als Team sehr gut kennt“, sagt Aufbauspieler Steffen Hamann, der ebenso wie vier andere Stammspieler zum Saisonbeginn nach Berlin kam. Als Team hat Alba eine Menge gelernt. Begeisternde Heimsiege (gegen Rom, Istanbul und Badalona) wechselten sich mit unnötigen Punktverlusten (in Rom und Istanbul) und üblen Niederlagen (in Tel Aviv und Vitoria) ab. „Wir haben bei Tau Vitoria mit 40 Punkten verloren, dann kamen acht Tage Pause“, erinnert sich Hamann. „So etwas macht eine Mannschaft stark – oder sie fällt auseinander. Wir sind dadurch zusammengewachsen.“ Alba meldete sich mit dem wichtigen 74:72-Heimsieg gegen Badalona zurück. Baldi ist sich sicher, dass diese Erfahrungen „den Charakter ausrichten“ können. „Das bringt die Mentalität, ohne die man keine Titel gewinnen kann“, sagt Baldi. „Real hat uns zum Beispiel gezeigt, wie man sich als Mannschaft in ein Spiel zurückbeißt. Davon können wir lernen.“

Zudem freut Baldi, dass die Europaliga auch die Reichweite der Marke Alba deutlich vergrößert hat. Rund 90 000 Zuschauer besuchten die acht Heimspiele in der Arena am Ostbahnhof, der Schnitt von 11 264 ist der beste aller Europaligisten. In der vergangenen Saison interessierten sich nur 5 479 Fans im Schnitt für Albas Auftritte im Uleb-Cup in der Max-Schmeling-Halle. Eurosport übertrug die letzten vier Spiele live, Ausschnitte liefen im Frühstücksfernsehen. „Die Qualifikation für die Zwischenrunde hat uns auch ein finanzielles Plus gebracht, das wir nicht einkalkuliert hatten“, sagt Baldi. Allerdings sei das „in Zeiten der Wirtschaftskrise mehr ein kleiner Puffer, auf den wir zurückgreifen können“.

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