Zuschauerweltrekord auf Schalke : 76.000 Fans beim Eishockey

76.000 Zuschauer können das erste Spiel der deutschen Mannschaft bei der Eishockey-WM 2010 auf Schalke sehen. Das wird Weltrekord.

Claus Vetter
NHL
Kaltes Spektakel. Mehr als 71.000 Menschen schauten 2008 in Buffalo zu. 5000 Fans mehr sollen es auf Schalke sein. -Foto: AFP

Berlin - Schalker Fans scherzen gerne. Seitdem ihr Fußballklub im Multifuktionsstadion spielt, feuern sie ihr Team auch mal mit „Macht sie alle, schießt sie aus der Halle“ an. Dabei ist die Arena bei Bundesligaspielen ein Freiluftstadion. Bei anderen Veranstaltungen ist das Schiebedach zu, so wird es auch beim zuschauerträchtigsten Spektakel sein, das die Arena je gesehen hat: Am 7. Mai 2010 wird die Eishockey-Weltmeisterschaft auf Schalke eröffnet vor der angepeilten Weltrekordkulisse von 75 976 Zuschauern. Dann macht es Sinn, mit dem Hallen-Schlachtruf anzufeuern: Die deutsche Mannschaft trifft auf einen starken Gegner – auf Kanada, Russland, Schweden, Finnland oder Tschechien.

Für den Rekord wird die Kapazität des Stadions von 61 673 beim Fußball um 14 000 Plätze erweitert, die Zuschauerränge werden bis zur knapp 61 Meter langen und 30 Meter breiten Eisfläche reichen. Acht Tage werden Verwandlung und Rückbau des Stadions dauern. Die Kosten für die Partie betragen 1,2 Millionen Euro. Die Veranstalter zeigten sich zuversichtlich, die Zuschauerbestmarke aufstellen zu können. „Der Rekord wird fallen, da bin ich sicher“, sagt Schalkes Präsident Josef Schnusenberg. Auch Uwe Harnos, Präsident des Deutschen Eishockey-Bundes (DEB), glaubt daran: „Schon für das Eröffnungsspiel der WM 2001 in Köln hatten wir mehr als 80 000 Kartenwünsche.“ Ähnlich euphorisch ist Bundestrainer Uwe Krupp. Er sagte gestern bei der Präsentation des Projektes in Gelsenkirchen: „Vor einer solchen Kulisse und noch dazu bei einer WM vor eigenem Publikum zu spielen, ist doch der Traum eines jeden Eishockeyspielers.“

Ist Schalke nun Brimborium oder mehr? Der US-Amerikaner Don Jackson, Trainer bei den Eisbären Berlin, glaubt an letzteres: „Da schaut die ganze Sportwelt nach Deutschland, besser kann man Eishockey nicht ins Licht rücken.“ Ins Licht rücken, ja das können sie im Eishockey. Auch wenn sich dem DEB sonst vieles nachsagen lässt. Zum Beispiel, dass es mit dem öffentlichen Stellenwert der Nationalmannschaft lausig bestellt ist oder das sich der DEB im Thema Dopingbekämpfung unglücklich verkauft. Aber wenn es um die Akzeptanz beim Publikum geht, ist Eishockey vorn. Die Deutsche Eishockey-Liga hat nach Fußball in Deutschland die meisten Zuschauer. Nun also, soll das Land, in dem im Sport vieles größer ist, übertroffen werden.

Der Rekord, der dann in Gelsenkirchen übertroffen werden soll, wurde übrigens nicht in der National Hockey League (NHL) aufgestellt. Dort kamen am 1. Januar dieses Jahres in Buffalo „nur“ 71 217 Zuschauer bei der Partie der Sabres gegen Pittsburgh. Im Oktober 2001 bei einem College-Spiel der Michigan State Spartans und den University of Michigan Wolveriners in East Lansing waren es mehr. Eishockeyfan Beth Queeney, damals unter den 74 554 Zuschauern im Footballstadion, erinnert sich: „Es war bitterkalt, der Puck war kaum zu sehen, aber die Party war riesig.“ Zumindest zwei Dinge davon wird es auf Schalke nicht geben: Der Puck wird auf dem Videowürfel zu sehen sein und kalt dürfte es auch nicht werden, in der Halle auf Schalke.

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