Sport : Zwangsumtausch - Bundesliga im Test

Frings und Naldo statt Ernst und Ismael – Werder muss viele Neue integrieren

Steffen Hudemann

Wer hat das Sagen im Verein? Thomas Schaaf und Klaus Allofs sind die moderne Version des Duos Otto Rehhagel und Willi Lemke. Seit Trainer und Sportdirektor 1999 das Kommando in Bremen übernommen haben, wird attraktiver Offensivfußball gespielt, und es ist kein Verrat an hanseatischen Traditionen mehr, wenn der Klub Millionen für Spieler wie Miroslav Klose oder Torsten Frings ausgibt. Schaaf und Allofs können sich ganz aufs Sportliche konzentrieren. Um die Bilanzen kümmert sich Geschäftsführer Jürgen L. Born.

Was hat sich verbessert? Werder ist in der Breite besser besetzt als in der vergangenen Saison. Für Magnin und Stalteri sind Jelle van Damme und Patrick Owomoyela gekommen. Fabian Ernst wird durch Torsten Frings gut ersetzt. Außerdem verstärken Leon Andreasen (Aarhus) und Jurica Vranjes (Stuttgart) die Mannschaft. Nach seinem Kreuzbandriss wird Torwart Tim Wiese allerdings Andreas Reinke nicht so schnell beerben. Fraglich ist, ob Innenverteidiger Naldo den Verlust Ismaels ausgleichen kann. Schaaf zumindest bezeichnet den 22-Jährigen als „vielleicht talentiertesten Defensivspieler Brasiliens“.

Wie sicher ist der Job des Trainers? Sehr. Thomas Schaaf ist seit 33 Jahren im Verein. Als er vor sechs Jahren Cheftrainer wurde, befand sich Werder in Abstiegsgefahr. Seitdem ist Bremen Meister und zweimal Pokalsieger geworden und kann sich in den Spielen gegen Basel zum zweiten Mal in Folge für die Champions League qualifizieren. Schaaf wird vermutlich bleiben dürfen, so lange er will – wie einst sein Lehrer Otto Rehhagel.

Welche Taktik ist zu erwarten? Die neue Saison könnte den Abschied von der Werder-Raute bringen. Schaaf hat in den Testspielen eine neue Variante im Mittelfeld eingeführt. Anstelle der Raute bot er zwei defensive (Frings, Baumann) und zwei offensive Mittelfeldspieler (Micoud, Borowski) auf. Das soll die Defensive stabilisieren. Ansonsten bleibt es bei der Viererabwehrkette und zwei Stürmern.

Welche Platzierung ist möglich? Klaus Allofs sagt: „Wir wollen uns unter den ersten drei Mannschaften in Deutschland etablieren.“ Weil Werder in der vergangenen Saison viele Punkte leichtfertig vergab, erreichte der Klub die Champions-League-Qualifikation erst am letzten Spieltag. Platz zwei oder drei ist auch in dieser Saison möglich. Dass Werder seinen Triumph von 2004 wiederholen kann, ist wegen der vielen Veränderungen eher unrealistisch. Das Team wird noch ein wenig Zeit brauchen, bis es eingespielt ist.

Wer sind die Stars? Nach eigener Auffassung immer noch Johan Micoud. Doch der Spielmacher aus Frankreich überzeugte zuletzt nicht immer, fiel in der Winterpause unangenehm auf, als er Fabian Ernst im Streit eine Platzwunde verpasste. Nun haben Paul Stalteri, sein bester Freund im Team, und Valerien Ismael, sein Landsmann, den Klub verlassen. Für Micouds Nachfolge bewirbt sich vor allem Tim Borowski.

Wer hat noch Chancen auf die WM? Außer den Bayern hat kein Bundesligist so viele Spieler in Klinsmanns Kader wie Werder Bremen. „Uns ist es wichtig, auch in der Nationalmannschaft gut vertreten zu sein“, sagt Allofs. Frings, Klose, Owomoyela und Baumann haben die besten Chancen auf die WM. Auch Christian Schulz und Tim Borowski dürfen sich noch Hoffnungen machen.

Wie sind die Fans? Das Bremer Publikum ist durch die Erfolge euphorisch geworden. Innerhalb von vier Jahren ist die Mitgliederzahl von 3000 auf 21500 gestiegen. Und wie schon im vergangenen Jahr musste der Klub den Dauerkartenverkauf frühzeitig bei 25000 abbrechen.

Die gesamte Serie im Internet:

www.tagesspiegel.de/bundesligatest

Morgen: Schalke 04

Folge 16:

WERDER BREMEN

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