Sport : Zwei Argentinier in Paris Schnelle Russin

Anastasia Myskina siegt im Finale der French Open

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Dass sich argentinische Tennisspieler auf Sandplätzen besonders wohl fühlen, ist bekannt. Schließlich ist das nun mal im zweitgrößten südamerikanischen Land der bevorzugte Belag, wenn es um Tennis geht. Vielleicht ist daher die Dominanz der Argentinier bei den French Open von Paris auch keine Überraschung mehr – auch wenn die Ansetzung des heutigen Finales der Männer zumindest in der Geschichte des Tennis historische Tragweite hat. Mit Guillermo Coria und Gaston Gaudio stehen sich am Sonntag im Endspiel von Paris zum ersten Mal überhaupt in einem GrandSlam-Turnier zwei Argentinier gegenüber.

Coria setzte sich am Freitag im Halbfinale 3:6, 6:4, 6:0, 7:5 gegen den Briten Tim Henman durch. Nur im ersten und anfangs des vierten Satzes hatte Coria Mühe mit Henman, der eigentlich nicht als Sandplatz-Spezialist gilt und in Paris überraschend das Halbfinale erreicht hatte. Im Spiel zuvor hatte Gaudio seinen Landsmann David Nalbandian 6:3, 7:6, 6:0 besiegt und somit das erste Grand-Slam-Endspiel seiner Karriere erreicht. Gaudio nutzte nach 2:26 Stunden den zweiten Matchball. Danach schlug er die Hände vors Gesicht und weinte, als habe er das Match verloren. Er konnte nicht fassen, dass er als erster Argentinier seit Guillermo Vilas 1982 das Endspiel der French Open erreicht hatte. „Ich habe noch nie geweint in meinem Leben. Das war das erste Mal“, sagte Gaudio. „Ich bin glücklich, denn davon habe ich immer geträumt. Das ist das Turnier meines Lebens.“ Ob es auch den Sieg seines Lebens bringen wird, erscheint allerdings fraglich. Coria gilt vor dem Finale gegen seinen Landsmann als der Favorit. Tsp

Paris - Der Jubel der Siegerin fand nicht statt. Ganz cool und vor allem unerwartet früh schritt Anastasia Myskina zum Netz, um von ihrer Gegnerin Elena Dementjewa die Glückwünsche entgegenzunehmen. Nach nur 59 Minuten hatte am Sonnabend Myskina auf dem Centre Court von Roland Garros ein einseitiges Tennismatch beenden können. Das Finale der Frauen war ein Spiel ohne jegliche Aufregung. Und das war vielleicht nicht der Verlauf, den sich viele der 16 000 Zuschauer auf den Tribünen des Centre Courts der French Open erhofft hatten. Aber trotzdem, an der verdienten Siegerin des Turniers von Paris gab es keine Zweifel: Die Russin Myskina hatte ihrer Landsfrau Elena Dementjewa keine Chance gelassen, gewann schließlich deutlich 6:1 und 6:2.

Viel war im Vorfeld über das Verhältnis der beiden 22-jährigen Freundinnen, die bereits im Alter von sechs Jahren bei ihrem Heimatklub Spartak Moskau gemeinsam mit dem Tennisspielen begonnen hatten, geredet worden. Myskina und Dementjewa kennen sich bestens, wissen aus unzähligen Jugend- und Trainingsspielen gegeneinander genau über Stärken und Schwächen der Gegnerin Bescheid. „Die einzige Überraschung, die ich Elena bieten kann, wird meine größere mentale Stärke sein“, hatte Myskina dann auch gesagt.

Und die spätere Siegerin, die vor dem Finale von Paris gegen ihre Freundin in der offiziellen Statistik des Weltverbandes der Frauen eine ausgeglichene Bilanz (3:3) hatte, sollte Recht behalten. Dementjewa wirkte vom ersten Ballwechsel an zu nervös – auch wenn sie ihrer Gegnerin zunächst noch das erste Aufschlagspiel abnehmen konnte. Nach der 1:0-Führung von Dementjewa wurde es einseitig. Dementjewa machte einen Doppelfehler nach dem anderen, war meist nur bei ihren wohl zu seltenen Ausflügen ans Netz erfolgreich.

Myskina hingegen war die geduldigere Spielerin, längere Ballwechsel verliefen am Ende fast immer zu ihren Gunsten. Sie gewann im ersten Satz sechs Spiele in Folge und verwandelte nach nur 27 Minuten ihren ersten Satzball. Spätestens da war Dementjewas Freude auf das Match – „es ist einfach zauberhaft, gegen Anastasia zu spielen“ – der Frustration gewichen. Ihre Gesten illustrierten Hilflosigkeit, die Manier, in der sie bei ihren Aufschlagspielen an der Grundlinie stand, war wenig überzeugend. Der zweite Satz verlief so einseitig wie der erste. Schließlich nutzte Myskina kurz vor Ablauf einer Stunde ihren ersten Matchball. „Ich war sehr müde und zu nervös. Ich hoffe, das war nicht mein letztes Grand-Slam-Finale“, sagte Dementjewa.

Als ihr Return im Aus gelandet war, schritt die vom Deutschen Jens Gerlach betreute Myskina zum Netz. „Ich bin einfach nur glücklich“, sagte sie – ohne dies auch nur irgendwie zu zeigen. Ihre Emotionslosigkeit erklärte sie später. „Mein erster Titel, noch dazu in Paris gegen meine Freundin – das ist alles zu viel für mich.“ Im Halbfinale hatte Myskina in nur 61 Minuten die favorisierte US-Amerikanerin Jennifer Capriati in zwei Sätzen bezwungen. Als Lohn für den ersten Grand-Slam-Sieg erhält Myskina 838500 Euro und wird in der Weltrangliste ab Montag auf Rang drei geführt. Sie ist damit die erste der sechs russischen Spielerinnen unter den ersten 20, die den Durchbruch in die absolute Spitze geschafft hat.

Immerhin, als dann schließlich die russische Nationalhymne gespielt wurde, huschte endlich ein Lächeln über das Gesicht der Siegerin Tsp

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