Sport : Zwei Begleiter für den Neuen

Die Karrieren von Osieck und Bierhoff

Stéphanie Souron

Früher, als Holger Osieck noch im Schatten von Franz Beckenbauer gestanden hatte, war er ein lockerer Typ. Er war sehr beliebt bei den Spielern, auch 1990, als Deutschland Weltmeister wurde. Da war Beckenbauer offiziell Trainer und Osieck nur sein Assistent. Aber in Wirklichkeit war es umgekehrt, denn Osieck hatte den Trainerschein und Beckenbauer nicht. Vor der Nationalmannschaft war der heute 55-jährige Osieck für die DFB-Trainerausbildung verantwortlich und betreute den Nachwuchs. Selbst gestürmt hat er unter anderem bei Schalke 04, bei Eintracht Gelsenkirchen und bei den Vancouver Whitecaps. Erst mit 43 Jahren übernahm er beim VfL Bochum seinen ersten Cheftrainer-Posten, und plötzlich gab es neben dem lustigen Menschen Osieck auch den autoritären Trainer. „Das ist meine Rübe, wenn es schief geht“, sagte er in seiner ersten Saison 1991. Fast wäre es schiefgegangen, doch Osieck rettete den VfL auf den 15. Tabellenplatz. 1998 wurde er Trainer der kanadischen Nationalmannschaft. Den großen Coup landete Osieck, als er 2000 mit Kanada den Gold-Cup gewann.

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Der große Tag von Oliver Bierhoff war der 30. Juni 1996. Die tschechische Mannschaft lag im Endspiel um die Fußball-Europameisterschaft gegen Deutschland mit 1:0 in Führung. Dann wurde Bierhoff eingewechselt. Er erzielte den Ausgleich in der 73. Minute mit einem seiner berühmten Kopfbälle, das Spiel ging in die Verlängerung – und wieder traf Bierhoff. Diesmal war es ein „Golden Goal“, und Deutschland war Europameister.

Ein Jahr lang spielte Bierhoff da schon beim italienischen Erstligisten Udinese Calcio, doch erst nach der EM war er ein Star. Italienische Zeitungen bezeichneten ihn als „besten deutschen Stürmer aller Zeiten in Italien“, in der Saison 1997/98 hatte Bierhoff nach 16 Spieltagen zwöf Tore erzielt. Im Januar 1998 überlegte er öffentlich, ob er besser zu Juventus Turin oder zum AC Mailand wechseln solle und wunderte sich: „Es scheint fast so, als ob mich die Bundesliga nicht will.“ Er wechselte schließlich für 25,5 Millionen Mark zu Mailand. Weil er schon immer Manager werden wollte, studierte Bierhoff nebenbei Betriebswirtschaft an der Fernuniversität Hagen. 2002 schloss er das Studium ab, ein Jahr später beendete er seine Fußballer-Karriere. Kurz darauf ernannte ihn Beckenbauer zum internationalen Botschafter für die WM 2006 – zusammen mit Klinsmann.

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