Sport : Zwei Bosse, eine Meinung

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Yokohama (dpa). Joseph Blatter feiert schon vor dem Finale. Der Präsident des Fußball-Weltverbandes Fifa hat die WM in Südkorea und Japan als Erfolg gefeiert, obwohl das spielerische Niveau seiner Meinung nach zu wünschen übrig ließ. „Vielleicht war es fußballerisch nicht die beste WM, aber dafür eine der interessantesten Weltmeisterschaften. Sie war überraschend, attraktiv und unterhaltsam“, sagte Blatter in Yokohama. Auf Grund der perfekten Organisation und der imponierenden Gastfreundschaft der Ausrichter verlieh der Schweizer den ersten Titelkämpfen in Asien das Attribut „Weltmeisterschaft des Lächelns“.

Lennart Johansson, Präsident der Europäischen Fußball-Union Uefa und Vorsitzender des WM-Organisationskomitees, ist selten einer Meinung mit Blatter. Doch in diesem Fall schloss er sich dem Kompliment an. „Erst dachte man, dass keiner glücklich werden könne. Jetzt scheint es, dass alle glücklich geworden sind“, sagte der Schwede. Wie Blatter räumte auch Johansson ein, dass viele Spieler und etliche Referees nicht in WM-Form waren. Während den Schiedsrichtern und ihren Assistenten mitunter die Klasse gefehlt habe, seien die Profis Opfer des Terminkalenders. „Wir müssen den Mannschaften eine faire Zeit zur Vorbereitung geben“, sagte Johansson. Wie die Spieler entlastet werden sollen, blieb offen. Sowohl Blatter als auch Johansson wollen in den von ihnen organisierten Wettbewerben keine Abstriche machen. Johansson bot keine Verkleinerung der Champions League an, sondern forderte eine Reduzierung der Spiele in den nationalen Ligen.

„Asien hat der Welt gezeigt, dass es eine große Veranstaltung ausrichten kann“, sagte Blatter. Letztlich sei es ein Glücksfall gewesen, dass man die um die WM konkurrierenden Verbände aus Südkorea und Japan zur gemeinsamen Ausrichtung genötigt habe. „Die WM hat für ein besseres Verständnis zwischen den beiden Nationen gesorgt.“ Japans Verbandschef Shunichiro Okano und sein koreanischer Kollege Chung Mong-Joon pflichteten dem bei. „Fußball ist universell. Er bringt die Menschen unabhängig von Rasse, Religion, Kultur und Politik zusammen“, sagte Okano. Passend dazu wird beim Finale in Yokohama Japans Kaiser Akihito den südkoreanischen Staatschef Kim Dae Jung empfangen. Allerdings wird der Weltpokal nicht wie 1998 in Frankreich und 1994 in den USA von Regierungsvertretern übergeben, sondern von Blatter selbst.

Chung nahm den sportlichen Erfolg Südkoreas, das überraschend erst im Halbfinale an Deutschland gescheitert war, zum Anlass, für die WM 2006 eine Quotenerhöhung für Asien auf fünf Startplätze zu beantragen. Bei der laufenden WM hatte Asien 4,5 Plätze, davon zwei Freiplätze für die Gastgeber. Nur China und Saudi-Arabien konnten sich auf sportliche Art qualifizieren. Als halber Platz gilt die Teilnahme eines asiatischen Vertreters an einem Entscheidungsspiel um ein weiteres WM-Ticket. Der Iran scheiterte dabei vor dieser WM an Irland. Fifa-Vizepräsident Chung nannte die gemeinsame Gastgeberschaft zweier Länder beispielhaft: „Jetzt können sich auch andere kleinere Nationen den Traum erfüllen, eine WM auszurichten.“ Blatter sagte allerdings, dass künftig zwei oder mehrere Länder nur unter einer gemeinsamen Organisation antreten dürfen. In Südkorea und Japan hatte jedes Land sein eigenes Organisationskomitee.

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