Sport : Zwei Champions auf der Suche

Lieb und teuer: Dortmund hofft heute gegen den FC Arsenal auf die Inspiration des gegen Hertha so sehr vermissten Mario Götze Teuer und glücklos: Fernando Torres steht für Chelseas rumpelhaften Start in die Saison – heute kommt Leverkusen

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Hans-Joachim Watzke bezeichnet sich gern als Fußball-Romantiker. Immer wieder betont der Geschäftsführer von Borussia Dortmund, er mache seinen Job nicht in erster Linie, um seinen Lebensunterhalt zu verdienen, sondern, weil er der Faszination des Spektakels erlegen sei. Er liebt an seinem Sport die Tradition, das ehrfürchtige Prickeln, das beim Liebhaber allein das Aussprechen großer Namen hervorruft. Von daher dürfte Watzke heute mit einem wohligen Gefühl aufgewacht sein: Borussia Dortmund gegen den FC Arsenal (20.45 Uhr, live bei Sky), das klingt nach großer Bühne und viel Spektakel. Sieben Jahre ist es her, dass die Borussia zum letzten Mal in der Champions League mitspielen durfte. Nach seinem letzten Auftritt taumelte der Klub am Abgrund, bevor er in letzter Sekunde die Kurve bekam und sich in der letzten Saison mit dem Gewinn der Meisterschaft das erneute Startrecht erwarb.

Für den Champions-League-Sieger von 1997 bedeutet die Rückkehr nicht nur viel Prestige und noch mehr Geld, sondern auch eine Verpflichtung. So zumindest sieht es Watzke, der seine Profis als Botschafter des deutschen Fußballs wahrnimmt. Was das betrifft, hat die Borussia heute tatsächlich einen Auftrag. Zumindest wenn man die Worte von Arsenals Trainer Arsène Wenger richtig deutet. Der bescheinigte dem von Werder Bremen gekommenen Nationalspieler Per Mertesacker nach seinem Debüt gegen Swansea City zwar eine „ruhige und abgeklärte“ Vorstellung, betonte jedoch auch, der Innenverteidiger benötige noch Zeit, „um sich an das Tempo in der Premier League zu gewöhnen“.

Die Dortmunder dürfen die Worte des Franzosen ruhig als Herausforderung begreifen, dem Gegner zu zeigen, dass es in der Bundesliga längst richtig zur Sache geht. Schließlich hat die Borussia in der formidablen Meistersaison ganz Deutschland mit dem begeistert, was Trainer Jürgen Klopp so gern als „Hochgeschwindigkeitsveranstaltung” deklariert. Allerdings ist der Dortmunder Fußball-ICE in der neuen Spielzeit ins Stocken geraten. Nicht erst bei der verdienten 1:2-Heimniederlage gegen Hertha wurde deutlich, dass die Leichtigkeit vorerst dahin ist.

Konkret war die Unpässlichkeit gegen Hertha an zwei Personalien festzumachen: Im Sturmzentrum fehlt die Durchschlagskraft des verletzten Lucas Barrios, dahinter wurden die Ideen des gesperrten Mario Götze vermisst. Gegen Arsenal darf er nun wieder dabei sein. Klopp sträubt sich zwar nach Kräften dagegen, aber Götze wird auch in diesem Spiel im Fokus stehen. Schließlich wird in Dortmund berichtet, Arsenal habe nach Cesc Fabregas’ Wechsel zum FC Barcelona nicht weniger als 40 Millionen Euro für Götze geboten. Dortmunds Absage sagt viel aus über das neue Selbstwertgefühl.

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