Sport : Zwei Favoriten, eine Geschichte

In Mariendorf kommt es am Sonntag zum spannenden Traber-Duell zwischen Abano As und Freiherr As

Heiko Lingk

Berlin - Jede Disziplin hat ihre eigenen Weisheiten. Bei den Trabern ist das nicht anders. Einer der Grundsätze, den die wettenden Zuschauer an den Totokassen gerne beachten, lautet: Form schlägt Klasse. Ein Pferd, das mehrmals hintereinander seine gute Verfassung unter Beweis stellen konnte, zieht man schon mal einem an sich besseren Gegner vor, wenn der zuletzt etwa eine Ruhepause hatte. Das Duell auf der Trabrennbahn Mariendorf am Sonntag (Beginn 13 Uhr) bietet diese interessante Konstellation: Freiherr As hat zuletzt überzeugt, das in seiner Karriere erfolgreichere Pferd Abano As hat zuletzt pausiert.

An den Wettschaltern von Mariendorf dürfte es besonders voll werden: Schließlich steht am Sonntag eines der spannendsten und hochklassigsten Rennen des Jahres an, ein Duell zweier Pferde mit gemeinsamer Geschichte. Beide wurden im Mai 1997 innerhalb von nur sieben Tagen auf dem Gestüt des zweimaligen Olympiasiegers Alwin Schockemöhle geboren. Abano As und Freiherr As zeigten bereits zwei- und dreijährig, was in ihnen steckt, und standen deutlich über allen Altersgefährten. Doch obwohl der Hengst Freiherr As von seiner Schnelligkeit her kaum einen Wunsch offen ließ, scheiterte er meistens doch. Kurz vor der Ziellinie war ein anderer immer noch schneller – Abano As.

Doch von der Form her lief es zuletzt bei Freiherr As besser: Noch vor 14 Tagen in Neapel im Premio Lotteria zeigt er eine herausragende Leistung, die allerdings nicht belohnt wurde: Der Hengst und sein Fahrer Thomas Panschow verloren den zweiten Platz, weil ein Gegner auf der Zielgeraden mit ihnen kollidierte. Abano As jedoch, der am Sonntag erneut vom viermaligen Prix-d’Amerique-Sieger Jos Verbeeck gesteuert wird, kommt aus einer neunwöchigen Ruhepause. Die entscheidende Kondition könnte ihm im Duell mit Freiherr As fehlen.

Zuletzt trafen beide Traber vor rund einem Jahr im Elitloppet, der wichtigsten europäischen Sprinterprüfung, in der schwedischen Hauptstadt Stockholm aufeinander. Doch das war kein echter Vergleich. Während sie in getrennten Vorläufen über die Distanz von einem Kilometer mit 1:10,2 Minuten die gleiche Zeit hatten und einen deutschen Rekord aufstellten, wurde Freiherr As im Finale schon nach wenigen Metern disqualifiziert. In Mariendorf spricht die Form für ihn und die Klasse für seinen Gegner.

Wenn man aber den Züchter der beiden Spitzentraber fragt, scheint es für Alwin Schockemöhle trotz aller beliebten Weisheiten an den Wettschaltern im Grunde nur ein einziges gültiges Gesetz zu geben: „Wenn es ernst wird, ist Abano As das bessere Pferd!“

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