Sport : Zwei fliegen voran

Jakub Janda und Janne Ahonen sind nach ihrem gemeinsamen Sieg bei der Vierschanzentournee auch die großen Favoriten für Olympia

Benedikt Voigt[Bischofshofen]

Einer hat das Problem geahnt. Vor dem abschließenden Skispringen in Bischofshofen wandte sich Dietmar Hemerka an jenen Sponsor, der dem Sieger der Vierschanzentournee traditionell ein Auto spendiert. „Es könnte zwei Sieger geben in diesem Jahr“, sagte der Präsident der Vierschanzentournee, „was machen wir dann?“ Der Sponsor stellte ein zweites Auto bereit. „Sonst hätten wir das bezahlt“, sagt Hemerka.

Der Tscheche Jakub Janda und der Finne Janne Ahonen haben für ihre historische Leistung bei der 54. Vierschanzentournee eine angemessene Belohnung verdient. Nach vier Springen bis auf den Zehntelpunkt hinter dem Komma gleich zu liegen, schien bis Freitagabend unmöglich. Die beiden Ausnahmespringer haben genau das geschafft. „Das wird wohl nie wieder vorkommen“, sagt Hemerka, „das ist so, als ob bei der Tour de France nach drei Wochen zwei Fahrer auf die Zehntelsekunde gleich liegen.“ Das Endergebnis von Bischofshofen zeigt, dass der Sport zur salomonischen Lösung fähig ist. Denn Jakub Janda und Janne Ahonen sind die besten Springer dieser Saison.

In Bischofshofen ließen sie erkennen, dass sie sogar mehr verbindet als nur weite Sprünge auf breiten Kunststofflatten. Beide geben sich in der Öffentlichkeit schüchtern und schweigsam. Was machen Sie mit Ihrem vierten Auto, wurde Janne Ahonen gefragt. „Weiß ich nicht.“ Wie fühlen Sie sich als Sieger der Vierschanzentournee, Herr Janda? „Gut.“ In knapp zwei Wochen Tournee ist auch deutlich geworden, dass der Internationale Skiverband auf seiner Internetseite eine falsche Information über Janda verbreitet. Unter der Rubrik Sprache ist bei dem Tschechen Englisch vermerkt. Doch Janda, der als Hobbys Fernsehen und Autos angibt, lässt sich kaum ein englisches Wort entlocken. Auch bei leichten Fragen blickt er schulterzuckend zum Dolmetscher. Auf Tschechisch redet er allerdings etwas mehr. Ahonen ist – verglichen mit früheren Jahren – sogar geschwätzig geworden. Er ist bereit, mehrere Sätze hintereinander zu formulieren. „Er ist erwachsener geworden“, sagt sein Trainer Tommi Nikunen. Englisch spricht Janne Ahonen inzwischen ganz gut.

Er zählt ja auch längst zu den internationalen Legenden des Skispringens. Sein vierter Erfolg bei der Vierschanzentournee hat das noch unterstrichen. Nur Jens Weißflog ist das auch gelungen. „Das ist ein großartiger Rekord“, sagt Ahonen. Dabei hatte es vor der Tournee nicht danach ausgesehen, als könne er an die Form des Vorjahres anknüpfen. Damals hatte er drei von vier Springen gewonnen und die Tournee dominiert. Diesmal fehlte ihm vor der Tournee ein Sieg, die Qualifikation in Oberstdorf hatte er sogar verpatzt. „Dann habe ich die Ski gewechselt“, berichtet Ahonen. Prompt gewann er das erste Springen. „Danach war alles leichter.“ Allerdings muss er sich wie mancher seiner Kollegen mit Knieschmerzen herumplagen. „Bei weiten Sprüngen taucht das Problem auf“, sagt der 28-Jährige. Schon seit zwei Jahren schmerzt ihn das linke Knie, in der kommenden Woche soll es untersucht werden. „Aber es ist nicht so schlimm, dass er operiert werden muss“, sagt Nikunen.

Janda ist erst in der vergangenen Saison in der Weltspitze aufgetaucht. Bis dahin sprang der 27-Jährige mit den blonden Strähnen im Haar hinterher. Erst der Wechsel des slowenischen Trainers Vasja Bajc zum tschechischen Team brachte ihn nach ganz vorne. Inzwischen springt er so konstant, dass er Janne Ahonen im Gesamtweltcup sogar überflügelt hat.

Nun wird es bereits bei der Skiflug-Weltmeisterschaft am kommenden Wochenende erneut zum Duell der beiden Überflieger kommen. Wichtiger aber sind für Ahonen die Olympischen Spiele; in seiner langen Karriere konnte er noch keine Einzelmedaille gewinnen. Das soll sich in Turin ändern. Für den ersten Platz gibt es allerdings noch einen Anwärter aus Tschechien. „Es ist schwer zu sagen, wer von beiden der Bessere ist“, gibt sogar Ahonens Trainer zu. Vielleicht sollten sich die Organisatoren in Turin auf diese spezielle Situation im Skispringen vorbereiten. Und zwei Goldmedaillen bereithalten.

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