Sport : Zwei Gegner, die vieles verbindet

MARKUS HESSELMANN

Eisbär Mario Brunetta und Adler Mike Rosati teilen die Herkunft und den unerwarteten ErfolgVON MARKUS HESSELMANN BERLIN."Super-Mario" hat ein Problem.Der von den Eisbären-Fans liebevoll mit diesem Spitznamen bedachte Torwart Mario Brunetta spielt zwar eine gute Saison in der Deutschen Eishockey-Liga (DEL).Doch das verflixte "Shut-out", das prestigeträchtige Spiel ohne Gegentor, will dem EHC-Keeper einfach nicht gelingen.Dabei stand er in dem einen oder anderen Spiel schon kurz vor dieser für Eishockey-Torhüter so wichtigen Erfahrung.Unachtsamkeiten seiner Vorderleute oder eigene Patzer brachten ihn bislang immer wieder um den verdienten Lohn.Und das große Erfolgserlebnis ist - zumindest kurzfristig - kaum in Sicht.Denn heute (19.30 Uhr) kommt Tabellenführer Adler Mannheim ins Sportforum, gegen den die Eisbären in den letzten drei Partien selbst torlos blieben. Brunettas Gegenüber, Adler-Torhüter Mike Rosati, hat es angesichts dieser Bilanz offensichtlich leichter.Zumal er in dieser Saison insgesamt schon sechsmal ohne Gegentreffer vom Eis ging.Solche Extras haben zwar keinen direkten sportlichen Wert, doch sie steigern das Selbstbewußtsein eines Torhüters.Brunetta: "Das ist gleichzusetzen mit einem Hattrick für einen Stürmer.Schade, daß es mir noch nicht gelungen ist." Doch Rosati ist Sportsmann genug, seinen Landsmann aufzubauen."Mario ist ein starker Keeper.Für seine Körpergröße ist er erstaunlich schnell und flexibel.Außerdem spielt er immer sehr solide", sagt Rosati über den Wahl-Berliner.Und das sind keine leeren Worte, denn die beiden verbindet noch mehr als das ohnehin häufige Aufeinandertreffen in der DEL: Die Italo-Kanadier Brunetta und Rosati sind Konkurrenten um den Posten im Tor der italienischen Nationalmannschaft und teilen an deren Spielorten stets das Zimmer."Wir sind sehr gute Freunde", sagt Rosati und fügt schnell ein betontes "really" an, um zu zeigen, daß dieser Satz für ihn keine Floskel ist.Brunetta bestätigt mit denselben Worten. Weitgehend parallel verliefen auch die sportlichen Laufbahnen der beiden: Den Engagements in der nordamerikanischen National Hockey League (NHL) - Brunetta bei seinem Heimatklub Quebec Nordiques, der aus Toronto stammende Rosati bei den New York Rangers - folgten Jahre im "Mutterland" Italien, bevor es beide zu Beginn dieser Spielzeit an die Fleischtöpfe der DEL zog.Und beide genießen jetzt mit ihren deutschen Teams Erfolge, die am Saisonanfang so nicht absehbar waren."Als ich nach Mannheim kam, habe ich die Mannschaft von der Leistungsstärke her im oberen Mittelfeld der DEL eingeschätzt.Mit dem jetzigen Tabellenstand konnte ich nicht rechnen", bekennt Rosati.Und wer hätte gedacht, daß beim vormaligen Punktlieferanten EHC Eisbären zu diesem Zeitpunkt der Saison ausgerechnet darüber geklagt wird, daß der Torwart noch immer auf ein Spiel ohne Gegentreffer wartet? Bis auf dieses kleine Manko ist Brunetta jedenfalls mit sich und seiner Truppe hochzufrieden."Wir haben unser Saisonziel, die Play-offs, ja schon erreicht.Und wir spielen in der Meisterrunde gegen die fünf besten Teams der DEL.Das ist vor allem für unsere Fans wichtig." Und die Hohenschönhausener Zuschauer haben es ihm angetan: "Wir fliegen hier durch die Lande, und die Fans fahren uns mühsam mit dem Bus hinterher.Das müssen wir Spieler uns immer wieder vor Augen führen.Denn es ist wirklich etwas Besonderes." Sowas habe es in der NHL nicht gegeben.Und der 30jährige Torwart, der seinen Vertrag gerade bis 1999 verlängert hat, stößt in Hohenschönhausen auf Gegenliebe.Auf den Rängen nahm es ihm niemand krumm, daß er sofort den erklärten Publikumsliebling Udo Döhler verdrängte.Ein Italo-Kanadier mit der Muttersprache Französisch als Favorit der bodenständigen Hohenschönhausener Zuschauer - anschaulicher können die Mahner vor einer Überfremdung des deutschen Spitzensports kaum widerlegt werden.

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