Sport : Zwei Jahre auf Bewährung

Die europäische Football-Liga startet in die neue Saison

Mathias Klappenbach

Berlin. Ob sich der ganze Aufwand lohnt, kann niemand so genau sagen. Als Anfang des Jahres das neue Stadion in Köln noch einmal umgebaut wurde, damit dort die Cologne Centurions trainieren und American Football spielen können, wurde die Stadtverwaltung für die Investitionen kritisiert. Die Mannschaft ist neu in der National Football League Europe (NFLE), der Nutzungsvertrag für die Sportanlagen läuft über fünf Jahre. Der Verein soll aber kündigen können, wenn sich die Liga vorher auflöst.

An diesem Wochenende startet der europäische Ableger der nordamerikanischen Profiliga NFL in seine zehnte Saison, und vieles ist genau so wie in den Jahren zuvor. Das Spektakel aus Show und Sport hat sich in Europa noch immer nicht so etabliert, wie es sich die amerikanischen Geldgeber aus der reichsten Sportliga der Welt erhofft haben. Die NFL erlöst in den USA allein über zwei Milliarden Dollar pro Saison an Fernsehgeldern. Da erscheinen die geschätzten sieben Millionen Euro, die pro Jahr in den europäische Markt gepumpt werden, als keine große Summe. Zumal das Defizit in den vergangenen Jahren kleiner geworden ist. Dennoch wurde die Bestandsgarantie für die Liga vorerst nur bis Sommer 2005 verlängert. Neben dem Bezahlsender Premiere übertragen derzeit nur lokale Fernsehanstalten wie RheinMain TV oder TV Berlin.

Trotzdem konzentriert sich der europäische Markt immer mehr auf Deutschland. Die Cologne Centurions sind neben Rhein Fire Düsseldorf, Frankfurt Galaxy und Berlin Thunder das vierte deutsche Team in der sechs Mannschaften umfassenden Liga. Köln ersetzt die Barcelona Dragons, die zuletzt nur noch knapp 7000 Zuschauer sehen wollten. Die interne Vorgabe soll bei 15 000 liegen. Diese Marke übertreffen nur die Mannschaften aus Düsseldorf und Frankfurt. Die beiden nicht in Deutschland stationierten Teams, die Scottish Claymores (Glasgow) und Amsterdam Admirals, erreichen die Vorgabe ebenso wenig wie Berlin Thunder. Deshalb könnte der Standort nach dieser Saison zur Disposition stehen. Erfolgstrainer Peter Vaas, mit dem zweimal der Worldbowl gewonnen wurde, wurde schon zu dem neuen Team nach Köln beordert. Zudem kehrt Rhein Fire im nächsten Jahr nach Düsseldorf zurück. In der derzeitigen Spielstätte Arena AufSchalke in Gelsenkirchen ist dann Platz für ein neues Team. Und auch Hamburg und Stuttgart sollen interessiert sein.

Michael Lang, der General Manager von Thunder, hofft heute im ersten Spiel gegen die Scottish Claymores (16 Uhr, Power Party ab 13 Uhr) bei schönem Wetter auf 14 000 Zuschauer. In der vergangenen Saison kamen im Durchschnitt 12 500 Fans ins Olympiastadion. Am Showprogramm kann das eigentlich nicht liegen. In Berlin stellt heute unter anderem Martin Kesici, der Gewinner der Casting-Show „Star Search“, zusammen mit 500 Cheerleadern seine neue Single vor.

Sportlich ist der Stellenwert der NFL Europe in den letzten Jahren gestiegen. Auf den Spielerlisten der amerikanischen Liga standen im vergangenen Jahr 237 Spieler, die bereits in Europa aktiv waren. Das Sprungbrett Europa wird für die amerikanischen Profis immer interessanter, und die Berliner haben in Quarterback Rohan Davey, der bei Superbowl-Gewinner New England Patriots im Kader stand, den wohl stärksten Spielmacher, der bisher in Europa zu sehen war. Vielleicht kann er ja helfen, den Standort Berlin zu retten. Das will auch Martin Kesici. Sein neues Lied heißt „Hang on“. Haltet durch.

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