Sport : Zwei Jungs und ein Tor

Trainer Pagé ist bei den Eisbären noch auf der Suche nach seiner Nummer eins

Claus Vetter

Berlin - Pierre Pagé redete sich in Rage. „Wir haben zwei sehr gute Torhüter“, sagte er. „Aber leider lassen sie sich zu leicht ablenken und denken zu wenig über Eishockey nach.“ Der Trainer der Berliner Eisbären verriet gestern auch nicht, ob nun Youri Ziffzer oder Daniar Dschunussow heute beim Saisonauftaktspiel bei den Nürnberg Ice Tigers im Tor steht: „Wenn ich das jetzt schon sage, dann ruft der Betreffende sofort seine Eltern an, kümmert sich um Eintrittskarten für seine Freundin und seine Bekannten und konzentriert sich auf alles andere als auf seinen Job.“

Es kann schon mal passieren, dass ein Torwart erst am Spieltag erfährt, wo sein Platz ist. Bei den Eisbären, die immerhin als Meister in die Saison gehen, ist die Geschichte aber ein wenig komplizierter: Ziffzer und Dschunussow sind gerade einmal 19 Jahre alt, bringen es zusammen auf nicht viel mehr als eine Hand voll Einsätze in der Deutschen Eishockey-Liga (DEL), kämpfen aber trotzdem um den Stammplatz im Eisbären-Tor. Längst hat die Konkurrenz die Besetzung der Torhüterposition als den neuralgischen Punkt im Berliner Team ausgemacht, und längst hat das bislang mangelnde Engagement der Eisbären bei der Suche nach einem erfahrenen Torwart zu einer gewissen Unruhe im Umfeld geführt. So witterte etwa die „Bild“-Zeitung eine Berliner Verpflichtung des ehemaligen kanadischen Nationaltorwarts Fred Brathwaite vom russischen Spitzenklub AK Bars Kazan.

Für Pagé ist das kein Thema. „Torhüter gibt es genügend“, sagt er. „Da sollten wir uns noch Zeit lassen.“ Wohl auch, weil der Trainer sehen möchte, was die von ihm so sehr geförderten Talente Ziffzer und Dschunussow im Ernstfall schon leisten können. Ziffzer jedenfalls sieht seine große Chance. „Bis sie einen erfahrenen Torhüter holen, möchte ich natürlich so oft wie möglich spielen.“ Wann holen die Eisbären einen erfahrenen Torwart? Der Manager windet sich. „Ja, so einer wie der Brathwaite wäre schon gut“, sagt Peter John Lee. „Aber der ist nicht zu haben.“ Allzu lange werde er aber nicht warten. „Denn im Normalfall hast du entweder einen jungen Torhüter und eine erfahrene Abwehr oder einen gestandenen Torhüter mit jungen Abwehrspielern. Wir aber haben einen jungen Torhüter und junge Verteidiger.“

Nun ist es nicht so, dass zurzeit massenhaft Spitzenspieler zu haben wären: Viele versuchen noch in der nordamerikanischen Profiliga NHL unterzukommen. Erst wenn die im Oktober ihre Saison startet, wird sich die Lage entspannen. Das ist auch ein Problem für die Gegner der Eisbären, aber nicht für alle: Die Düsseldorfer EG und die Hannover Scorpions haben sich mit namhaften Profis verstärkt, während die Berliner nun sogar den 23-jährigen Richard Mueller als siebten Ausländer haben. Obwohl Mueller, Sohn eines Deutschen und einer Kandierin, bald einen deutschen Pass erhält.

Eine Panikaktion? Trauen die Eisbären ihrer jungen Mannschaft doch keinen vernünftigen Saisonstart zu? Steve Walker, einer von neun Profis im Team, die älter als 23 Jahre sind, sagt: „Die jungen Spieler haben einen großen Sprung gemacht. Selbst ich war davon überrascht.“ Doch dann kommt der Mannschaftskapitän ins Grübeln. „Einfach wird es in den ersten Wochen der Saison nicht, wir sind auch noch nicht so gut besetzt wie etwa Hannover.“ Hannover? Diese Mannschaft ist zwei Mal knapp am Abstieg vorbeigerutscht. „Nein, so meine ich das nicht“, sagt Walker. „Wir werden uns im Saisonverlauf ja noch verstärken und dann eine gute Rolle spielen.“

Wer heute zum Saisonauftakt im Berliner Tor eine gute Rolle spielen darf, will der Trainer erst anderthalb Stunden vor Spielbeginn sagen. „Am Freitag um 18 Uhr werde ich das verkünden“, sagt Pagé. Viel Zeit, um sich ablenken zu lassen, bleibt Ziffzer und Dschunussow so wohl nicht.

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