Sport : Zwei Körbe, ein Sieger

Malte Lehming

Fußball ist wie Schach, manchmal langatmig, vom Ergebnis her oft unentschieden. Aber von einem Remis hat keiner was, weder Spieler noch Zuschauer. Jedes Remis ist ein Verrat am Spiel, am Kampf. Unentschieden sind wir selbst, dazu brauchen wir den Sport nicht. Zu dem gehört ein klarer, glücklicher Sieger und ein klarer, trauriger Verlierer. Egal wie, egal wann. Tertium non datur, sagt der Lateiner, ein Drittes gibt es nicht.

Deshalb liebt, wer Dramen liebt, die amerikanische Basketball-Profiliga NBA. Sie erlebte am Montag im New Yorker Madison Square Garden eine Sternstunde. Erst nach der Rekordzeit von 63 Spielminuten und drei Verlängerungen gewannen die heimischen Knicks gegen die Suns aus Phoenix mit 140:133. Am Ende der regulären Spielzeit stand es 104:104, nach der ersten Verlängerung 118:118, nach der zweiten Verlängerung 127:127. In ihrer typischen Unterkühltheit bilanzierte die „New York Times“ am Tag darauf, es sei ein „ziemlich hektischer, Nerven aufreibender“ Abend gewesen. Vier Spieler der Suns waren wegen zu vieler Fouls des Feldes verwiesen worden, die Knicks kamen auf sensationelle 54 Freiwürfe, von denen sie 32 verwandelten.

Mal ehrlich: Welches noch so angeblich spannende Unentschieden in der Schach- oder Fußball-Geschichte hält diesem Vergleich stand? Drei Mal in die Verlängerung: Das ist wie „Schweigen der Lämmer“, „Alien“ und „Psycho“ in einem Film. Wer schwache Nerven hat, soll zu Hertha gehen.

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