Sport : Zwei Millionen Euro fehlen

Der Deutsche Sportbund muss sparen – sogar das Weihnachtsgeld steht in Frage

Robert Ide

Berlin - Rolf Wallenhorst stellt sich auf eine lange Sitzung ein. „Das Ende ist offen“, sagt der Schatzmeister des Deutschen Sportbundes (DSB) vor den Fusionsgesprächen um einen neuen Sportverband, die heute in Frankfurt am Main beginnen. Wallenhorst hat wohl mit seiner Prophezeiung nicht nur das Ende des heutigen Treffens im Blick, sondern auch den generellen Ausgang der Verhandlungen mit dem Nationalen Olympischen Komitee (NOK). Zuletzt sind beide Verbände eher durch heimliches Gegeneinander als durch offenes Miteinander aufgefallen. Das NOK stellte Bedingungen für eine Fusion, es verlangt eine Mehrheit für die olympischen Fachverbände in der neuen Mitgliederversammlung. Neben der ebenfalls strittigen Personalfrage – Wer wird neuer Sportpräsident? – gewinnt ein weiteres Thema an Bedeutung: das Geld.

Im Haus des Sports, der Zentrale beider Verbände in Frankfurt, wird vor allem die Finanzlage des DSB diskutiert. Schatzmeister Wallenhorst soll im DSB- Präsidium vor einer Insolvenz gewarnt haben. Dazu befragt, sagt Wallenhorst: „Ein Schatzmeister muss immer den schlimmsten Fall einkalkulieren. Außerdem muss man intern auch mal übertreiben dürfen.“ Nach einem Dementi klingt das nicht. Derzeit versucht das NOK, mit dem Finanzthema Druck auf den künftigen Partner auszuüben. NOK-Chef Klaus Steinbach sagte auf der Versammlung seines Verbandes vor einer Woche, die Einbeziehung von Finanzexperten in die Fusionsgespräche sei „besonders wichtig“. Damit war wohl auch Wirtschaftsprüfer Wallenhorst gemeint.

Der Sportbund, zuständig für Breitensport und die Ausbildung von Spitzenathleten, hat nun ein Sanierungsprogramm beschlossen. Demnach werden die derzeit vorhandenen 130 Stellen – inklusive der Sportjugend – bis 2006 auf 110 Stellen reduziert. Ein Jahr später soll es wieder einen ausgeglichenen Haushalt geben. Auch kurzfristig wird gespart. Derzeit ist noch unsicher, ob die Mitarbeiter des DSB ihr Weihnachtsgeld bekommen. „Darüber gibt es Verhandlungen mit dem Betriebsrat“, bestätigte DSB-Präsident Manfred von Richthofen auf Anfrage.

Für das kommende Jahr rechnet Wallenhorst mit einem finanziellen Verlust des DSB. „Wir kalkulieren 2005 mit einem strukturellen Defizit von zwei Millionen Euro“, sagte Wallenhorst dem Tagesspiegel. Eine Million Euro davon würde für den sozialverträglichen Abbau von Arbeitsplätzen ausgegeben, eine weitere resultiere aus schwer zu kürzenden Mehrausgaben. Wallenhorsts Erklärung: „Einige Einnahmen sind weggebrochen.“ So rechnet der Schatzmeister in diesem Jahr mit einem Rückgang der Erlöse aus der Lotterie Glücksspirale um zehn Prozent. Zudem habe das NOK seinen traditionellen Zuschuss an den DSB gestrichen. Einen Vertrag über die jährliche Überweisung von 154 000 Euro für die Aufbereitung von Daten über den Leistungssport hat das Nationale Olympische Komitee zum Ende diesen Jahres gekündigt.

Die Funktionäre des NOK präsentieren sich derzeit gern in der Rolle der besser wirtschaftenden Geschäftsleute. So gab der olympische Verband zuletzt bekannt, dass er bei den Spielen in Athen 400 000 Euro weniger ausgegeben habe als geplant. Im aktuellen Geschäftsbericht des NOK sind allerdings Risiken kaum berücksichtigt. „Das NOK rechnet wie ein Sportverein, nicht wie ein Wirtschaftsunternehmen“, bemängeln Sportpolitiker. Ein Beispiel: Derzeit verklagen DDR-Dopingopfer das NOK auf Schadenersatz. Sollten sie den Prozess gewinnen, „hat das NOK auch Probleme“, sagt DSB-Präsident von Richthofen.

In diesem Fall wäre nicht nur das Ende der Fusionsgespräche offen, sondern wohl auch ein ernsthafter Anfang.

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