Sport : Zwei Millionen Euro für Dopingopfer

Frank Bachner

Seit zwölf Jahren warten die Dopingopfer des DDR-Sports auf eine finanzielle Entschädigung, seit Donnerstagabend ist endlich klar, dass Geld fließen wird. Der Haushaltsausschuss des deutschen Bundestages hat verbindlich beschlossen, im Haushalt 2002 ingesamt zwei Millionen Euro (3,91 Millionen Mark) für die Dopingopfer zur Verfügung zu stellen. Der Vorschlag geht noch in den Bundestag, "aber dass die Summe bereitgestellt wird, ist sicher", sagt Klaus Riegert, der sportpolitische Sprecher der CDU. "Die zwei Millionen Mark Euro sind genau die Summe, die wir gefordert haben", sagt Michael Baumbach, Mitarbeiter von Winfried Hermann, dem sportpolitischen Sprecher der Fraktion Bündnis 90/Grüne.

Jetzt muss in Verhandlungen geklärt werdeb, wie das Geld im Einzelnen verteilt wird. Für Dopingopfer ist es nicht einfach, konkret die körperlichen Schäden zu benennen, die durch die massenhafte Einnahme von Anabolika entstanden sind. "Die zwei Millionen Mark sind eine Anschubfinanzierung", sagt Riegert, "jetzt kann man Gespräche darüber führen, ob und inwieweit sich zum Beispiel der Sport oder die Industrie an einer Ko-Finanzierung beteiligt." Das Nationale Olympische Komitee (NOK) und der Deutsche Sportbund (DSB) haben mehrfach betont, sie würden sich an einer Entschädigung für Dopingopfer beteiligen, wenn die Politik eine Vorreiterrolle spiele und Geld zur Verfügung stelle. "Wir sind froh, dass es jetzt endlich zu diesen Zahlungen kommt. Sie kommen, zugegeben, sehr spät", sagt Riegert. Auch der Präsident des Deutschen Sportbundes, Manfred von Richthofen, räumt ein, "dass man beim DSB dieser Thematik in der Vergangenheit nicht genügend Beachtung geschenkt hat."

Ines Geipel, frühere Weltklasse-Spinterin und eines der Doping-Opfer, sagte gestern: "Das ist eine tolle Nachricht und ein deutliches Signal. Jetzt können die dringendsten Probleme gelöst werden. Es gibt ja viele Behandlungen, die aufgrund der Spätfolgen notwendig sind, die aber von der Krankenkasse nicht bezahlt werden." Die frühere Kugelstoßerin Birgit Boese etwa, die aufgrund einer Hormonbehandlung unter beträchtlichem Übergewicht und Problemen mit ihrem Bewegungsapparat leidet, muss ihre Behandlungen beim Chiropraktiker privat bezahlen. "Ein Großteil des Geldes sollte für die Forschung verwendet werden", sagt Ines Geipel. "Man muss jetzt mal herausfinden, welche unserer Probleme tatsächlich auf das Doping zurückzuführen sind. Man muss alle Dopingopfer intensiv untersuchen, dann kann man diese Fragen klären." Auffällig viele Dopingopfer des DDR-Sports leiden oder litten zum Beispiel unter Magersucht.

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