Sport : Zwei Minuten Unachtsamkeit

Die Frauen vom Berliner HC verspielen durch ein 1:2 gegen Rüsselsheim wohl die Finalteilnahme

Ingo Schmidt-Tychsen

Berlin. Im Programmheft wurde das Spiel als „Halbfinale“ tituliert. Auch wenn es das in Wirklichkeit nicht war, so hatte die Begegnung am Samstag zwischen dem Berliner Hockey-Club und dem Rüsselsheimer Ruder-Klub zumindest den Charakter eines Halbfinales. Den zweiten Tabellenplatz, der zur Teilnahme am Finale um die deutsche Meisterschaft am 22. Mai in Köln gegen den heimischen Rot-Weiß berechtigt, kann nämlich nur noch eine dieser beiden Mannschaften erreichen. Vor dem Anpfiff auf dem Ernst-Reuter-Sportfeld in Zehlendorf besaß der BHC als Tabellenzweiter einen Punkt Vorsprung auf die Hockey-Damen des RRK. Nach dem Abpfiff hatten die Berlinerinnen zwei Punkte Rückstand: 1:2 (0:2) unterlagen sie den Rüsselsheimerinnen in einem von beiden Seiten hart geführten Spiel.

Selbst die Trainer ließen sich von der Stimmung mitreißen und lieferten sich hitzige Wortgefechte. „Hast du diese Fehlentscheidung gesehen?“, brüllte RRK-Trainer Berthold Rauth nach einer strittigen Entscheidung des Schiedsrichters in Richtung Andreas Keller. Der BHC-Coach schrie zurück: „Schau dir doch lieber das Tor an, das wir gleich schießen!“

Auch nach dem Spiel waren sich die Streithähne nicht einig. Beide hatten ihr Team stärker gesehen als den Gegner. Keller musste allerdings einräumen, dass seine Mannschaft zwei Minuten lang unkonzentriert agiert hatte und der RRK clever genug war, dies auszunutzen. In diesen zwei Minuten der ersten Halbzeit erzielten Silke Müller und Britta Becker die beiden entscheidenden Tore, Eileen Hoffmann verkürzte nach der Pause auf 1:2. Natascha Keller vom BHC verstand die Welt nicht mehr: „Fast die ganze Zeit sind wir überlegen, aber schießen kein Tor. Und die nutzen ihre zwei Chancen eiskalt.“

Gestern zeigten die Rüsselsheimerinnen in Braunschweig wieder keine Nerven, siegten souverän 2:0. Die Berlinerinnen erledigten ihre Pflichtaufgabe gegen den Tabellenletzten Eintracht Frankfurt ohne Probleme und gewannen 3:0. Doch mit einem Heimsieg gegen Frankfurt kann der RRK sich am nächsten Wochenende die Finalteilnahme sichern. Berthold Rauth will aber noch nichts vom Endspiel wissen: „Frankfurt muss erst einmal besiegt werden.“ Zumindest in diesem Punkt stimmten die Aussagen der beiden Trainer überein. „Auch Frankfurt kann eine Sensation schaffen“, sagt Andreas Keller hoffnungsvoll.

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