Sport : Zwei Punkte verschlampt

Der HSV nimmt sein Ziel Uefa-Cup nicht ernst

Oliver Trust[Freiburg]

Sergej Barbarez kennt das Prozedere aus eigener leidlicher Erfahrung. Es war der siebte Platzverweis seiner Bundesligakarriere. Das verlieh dem Mann aus Bosnien in dem Moment offenbar eine gewisse Gelassenheit. Im gemächlichen Tempo eines Wandersmannes latschte der Profi des Hamburger SV quer über den Rasen, um mit regungsloser Miene im Kabinengang zu verschwinden. Leidenschaft sieht anders aus.

In der 77. Minute einer Partie, die zwischen dem SC Freiburg und dem HSV 1:1 (1:1) endete, hatte sich der geballte Frust von Barbarez in einer von Revanchegelüsten getragenen Tätlichkeit entladen. Der Freiburger Zivildienstleistende Dennis Aogo, von SC-Trainer Volker Finke im Mittelfeld aufgeboten, jedenfalls spürte den Griff der rechten Hand von Barbarez in seinem Gesicht. Aogo hatte sich zuvor nicht mehr zu Schulden kommen lassen als ein normales Foul, das Schiedsrichter Felix Brych mit der Gelben Karte ahndete. Als Barbarez ging, hatten sich die Hamburger im Duell gegen den Tabellenletzten bereits mit dem Remis abgefunden. Was verwundert, weil der Klub aus dem Norden einen Platz im internationalen Wettbewerb im Visier hat. „Das war kein guter Tag für den Hamburger SV“, sagte HSV-Trainer Thomas Doll und beklagte die schon feststehenden Ausfälle für das wichtige Nordderby gegen Werder Bremen am nächsten Wochenende.

„Barbarez mit Rot, Mpenza hat die fünfte Gelbe Karte, und bei Benny Lauth müssen wir abwarten“, zählte Doll auf. HSV-Angreifer Lauth humpelte bereits nach 30 Minuten vom Platz, nachdem er umgeknickt war. Doll kündigte Barbarez eine „klare Aussprache“ für diese Woche an. Ein erfahrener Profi müsse sich besser im Griff haben.

Wie Barbarez aber scheiterten fast alle Aktiven des HSV an diesem Tag bei der Suche nach der nötigen Einstellung, was sich in einer kläglichen Chancenauswertung ausdrückte. Es schien so, als rechneten sie gegen das praktisch abgestiegene Schlusslicht mit einem allzu mühelosen Sieg. Der Verein hatte auf Geheiß von Thomas Doll extra einen Charterflug ins nahe Lahr gebucht, um nach einer für manchen HSV-Profi anstrengenden Länderspielwoche für etwas Entspannung zu sorgen. „Da hat die letzte Überzeugung gefehlt“, sagte Doll, dessen Team gegen meist mit sieben oder acht Spielern verteidigende Freiburger kein Mittel fand.

So sah sich Freiburgs Trainer Volker Finke nach dem Führungstreffer von Kruppke (19.) und dem späteren Ausgleich durch Moreira (41.) ein gutes Stück weiter auf dem Weg, „Kredit bei den Zuschauern zurückzugewinnen“. Dem Hamburger SV steht das am kommenden Wochenende noch bevor.

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