Sport : Zwei Schläge von der Freundin

Maria Riesch setzt mit ihren Abfahrtssiegen Lindsey Vonn unter Druck

Erfolgreicher Doppelschlag. Maria Riesch jubelt über ihren zweiten Abfahrtssieg in 24 Stunden. Ihrem Ziel, dem Sieg im Gesamt-Weltcup, ist sie damit näher gekommen. Foto: dpa
Erfolgreicher Doppelschlag. Maria Riesch jubelt über ihren zweiten Abfahrtssieg in 24 Stunden. Ihrem Ziel, dem Sieg im...Foto: dpa

Lake Louise - Die Abfahrtspiste von Lake Louise in Kanada betrachtet Lindsey Vonn als ihr Zuhause. Nirgendwo unterstreicht die US-Amerikanerin ihre Dominanz in der hochkarätigsten alpinen Speed-Disziplin so wie hier. Von zehn Abfahrten in Lake Louise hatte sie sieben gewonnen. Bis Freitag lag ihre letzte Niederlage auf der beinharten Piste vier Jahre zurück. Zwei Tage später sah die Welt ganz anders aus. Innerhalb von zwei Tagen musste die überragende Abfahrerin der vergangenen Saison zwei Niederlagen hinnehmen. Zweimal war Maria Riesch aus Garmisch-Partenkirchen, ihre größte Rivalin im Kampf um den Sieg im Gesamt-Weltcup, schneller gewesen. Die zweifache Olympiasiegerin aus Deutschland sicherte sich damit nicht nur ihre ersten Weltcup-Siege der Saison, sondern blieb auch im sechsten Rennen zum sechsten Mal vor Vonn. Die US-Amerikanerin kam zweimal als Zweite ins Ziel. „Es ist ein Superstart in die Speedsaison“, verkündete Riesch freudestrahlend.

Vonn hatte in den vergangenen Jahren fünf Siege nacheinander in Kanada gefeiert. „Dass ich sie jetzt hier zweimal schlagen konnte, macht mich sehr stolz“, sagte Riesch. Sie können sich ja an Weihnachten noch mal bei Kerzenschein und Kirchenliedern über diese Rennen unterhalten. Lindsey Vonn verbringt Weihnachten traditionell im Haus Riesch, mit Besuch auf dem Friedhof und Gottesdienst. Vonn ist vollkommen eingebunden ins Programm der Gastfamilie. Und natürlich tauschen die Fahrerinnen auch Geschenke aus.

Stärkster Weltcupstart der Geschichte mit sechs Podestplätzen in sechs Rennen, dazu das beste Abfahrtsresultat seit 2004 – angeführt von ihrer Vorzeigeathletin sind die Starterinnen des Deutschen Skiverbandes (DSV) in diesem Winter zumindest bislang kaum zu stoppen. „Das war ein sehr gutes Ergebnis. Das zeigt, dass wir an Qualität im Speedbereich gewonnen haben“, lobte Alpin-Chef Wolfgang Maier die gute Abfahrts-Teamleistung mit Gina Stechert als Achter und Riesenslalom-Olympiasiegerin Viktoria Rebensburg auf Rang elf.

Als Schlüssel zum Erfolg gilt die außergewöhnliche Vorbereitung im Sommer. Bei den Lehrgängen in Chile und Neuseeland wurde der Grundstein für die WM-Saison gelegt und viel an der Geschwindigkeit gefeilt. „Die letzten Jahre war der Fokus immer eher auf Techniktraining“, so Riesch, „diese zwei Wochen in Chile, davon profitiere ich jetzt sehr.“

Ein anderer Punkt kommt noch hinzu: Sie hat die Ski gewechselt. Ihr aktuelles Modell ist 2,15 Meter lang, fünf Zentimter länger als das der vergangenen Saison. Es handelt sich um eine Mischung aus Männer- und Frauen-Ski. Lindsey Vonn hatte im vergangenen Jahr schon Männer-Ski gefahren, das ist einer der Gründe für ihre Dominanz in der letzten Saison. Männer-Ski sind schneller als Frauen-Ski, aber man muss auch viel mehr Kraft aufwenden, um sie kontrollieren zu können. Maria Riesch hat diese Kraft nicht, deshalb traut sie sich nicht, reine Männer-Ski zu benutzen. Aber die Mischform kann sie bis jetzt ganz gut beherrschen.

Da sich die 26-Jährige auch ihre Form im Slalom und im Riesenslalom bewahrt hat, ist die Chance auf den Sieg im Gesamtweltcup vielleicht noch nie so groß wie in diesem Winter. „Die Saison ist noch lang“, sagte Maier jedoch. Allerdings sieht der Alpin-Chef Vonns „Nimbus der Unbesiegbarkeit“ angekratzt.

„Ich bin heute mit einem weiteren zweiten Platz zufrieden. Es ist aber etwas schmerzhaft, wieder mit einer Zehntelsekunde zu verlieren“, sagte Vonn über das „bittersüße Resultat“, das sie bereits in der ersten Abfahrt von Lake Louise erzielt hatte. Dabei hatte die US-Amerikanerin noch Glück, dass sie sich nach einem Patzer mit einer artistischen Einlage überhaupt auf der Piste hatte halten können. „99 Prozent aller Fahrerinnen wären im Zaun gelandet“, sagte ihr Trainer Chip White. Wegen ihrer „phänomenalen Athletik“ glaubt nicht nur ihr Trainer an weitere enge Duelle mit Riesch. „Ich lasse mich jetzt nicht einlullen, ich habe die Lindsey immer auf der Rechnung“, sagte Riesch schon mal vorsorglich, „sie wird bestimmt zurückschlagen.“LAKE LOUISE] Tsp/dpa

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