Sport : Zwei Siege in zwei Tagen

Jenny Wolf überzeugt im Eisschnelllauf-Weltcup

Frank Bachner

Berlin - Der Hallensprecher brüllte ins Mikrophon, da hatte Jenny Wolf die Situation immer noch nicht erfasst. „38,12 Sekunden, das ist Bestzeit, das ist der Sieg“, dröhnte es durch die Eishalle im Sportforum Hohenschönhausen, aber Jenny Wolf glitt immer noch übers Eis, die Arme erschöpft an den Hinterkopf gepresst. Fünf Meter entfernt lag die riesige Anzeigentafel, und da registrierte Jenny Wolf eine ganz andere Zeit: 38,61 Sekunden. „Ich habe auf die falsche Zeit geschaut“, sagte sie. 38,61 Sekunden, das war die Zeit von Aihua Xing aus China, ihrer direkten Gegnerin. Aber dann riss auch Jenny Wolf aus Berlin die Arme hoch und feierte begeistert ihren Sieg über 500 Meter beim Eisschnelllauf-Weltcup in Berlin. Es war ihr zweiter Sieg in zwei Tagen. Am Freitag hatte sie in 37,77 Sekunden gewonnen. Die 27-Jährige hat damit die Führung in der 500-Meter-Weltcupwertung übernommen.

45 Minuten später trottete Claudia Pechstein müde die Treppen zum Hallenausgang hoch. Sie hat ihre Erkältung immer noch nicht richtig auskuriert, jetzt war ihr Blick missmutig, und ihre Sätze dokumentierten Frust. „Ich war heute noch nicht richtig fit, da konnte man wohl nicht viel mehr erwarten.“ Platz acht hatte sie über 3000 Meter belegt, enttäuschend für eine fünfmalige Olympiasiegerin. Daniela Anschütz-Thoms war sogar „sauer“ über Platz vier. Sie hatte über 3000 Meter einen Platz auf dem Podium verpasst, wieder mal. Andererseits, mit 4:04,47 Minuten war sie die schnellste Zeit gelaufen, „die ich in Europa jemals erreicht habe“. Konkreter: auf einer Flachland-Bahn. Genau deshalb war sie über Platz vier enttäuscht. Den Sieg sicherte sich die Holländerin Renate Groenewold mit Bahnrekord in 4:02,44 Minuten.

Auch der Berliner Tobias Schneider mühte sich die Treppen hoch, aber er blickte dabei überaus zufrieden. Schneider hatte über 1500 Meter in 1:47,21 Minuten eine neue persönliche Bestzeit aufgestellt. Er war erstmals in der A-Gruppe gestartet und belegte auf Anhieb Platz zehn. „Ich bin sehr froh“, sagte er. Schneider steht für den Aufschwung der deutschen Männer. Seit Bart Schouten, der holländische Weltklassecoach, die deutschen Männer trainiert, seit rund fünf Monaten, geht es allmählich aufwärts mit dieser Athletengruppe. Schneider hatte in Berlin schon über 5000 Meter seine Bestzeit eingestellt.

Auch Samuel Schwarz aus Berlin steigerte seine persönliche Bestzeit. Er belegte in der B-Gruppe über 1500 Meter Platz vier in 1:48,71 Minuten. Anton Hahn (Erfurt) kam in der B-Gruppe über 500 Meter in 36,35 Sekunden auf Rang vier. Am Tag zuvor war er sogar 36,03 Sekunden gelaufen. „Dass der beste Deutsche über 500 Meter nur eine Sekunde vor der Siegerzeit der A-Gruppe entfernt ist, hat es schon lange nicht mehr gegeben“, sagte Schouten. „Ich bin sehr zufrieden.“ Er stand am Ende der Treppe, wo gerade Jan Friesinger aus Inzell vorbei kam, der Fünfter in der B-Gruppe über 1500 Meter geworden war, und sagte zufrieden: „Die Jungs sind weiter als ich erwartet habe.“

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