Sport : Zwei Siege und ein kritischer Trainer Handball-Coach Brand mäkelt nach WM-Tests

Erik Eggers[Winterthur]

Gefühlsausbrüche waren nicht auszumachen, in keinem Gesicht, in keiner Miene. Mit 31:25 (14:13)-Toren hatte die deutsche Handball-Nationalmannschaft zwar auch das zweite Testspiel gegen die Schweiz gewonnen, diesmal vor 2180 Zuschauern in der Eulachhalle in Winterthur. Doch einen Tag nach dem 28:20 in Konstanz nahm nicht nur Pascal Hens das Ergebnis eher achselzuckend zur Kenntnis. „Beide gewonnen“, sagte der lange Schlaks vom HSV Hamburg, „darauf können wir jetzt aufbauen.“ Yves Grafenhorst vom SC Magdeburg, nicht nur wegen seiner vier Treffer im Gegenstoß und auf Linksaußen eine positive Überraschung im deutschen Team, ließ ebenfalls keine Euphorie erkennen. „Das war nur ein Test, das hat nicht viel zu sagen“, sagte der 20-Jährige zwei Wochen vor dem Weltmeisterschafts-Auftakt in Tunesien gegen Ägypten.

Die Zurückhaltung hatte ihren Grund. Schließlich verzeichnete Bundestrainer Heiner Brand in seinem ersten Fazit „viele Hochs und Tiefs“, die er indes als „normal in dieser Phase“ einstufte. Schließlich spielte sein junges Team nach den Rücktritten von fünf Leistungsträgern und angesichts von vier verletzten Stammspielern das erste Mal in dieser Formation. „Das Selbstverständnis der vergangenen Jahre ist nicht mehr vorhanden“, erkannte auch Arno Ehret, wie Brand als Spieler Weltmeister von 1978 und Nationaltrainer der Schweizer. Ehrets alter Kumpel Brand wollte dem nicht widersprechen.

Die Partien gegen die Eidgenossen glichen einander sehr. „Beide Male war es in der ersten Halbzeit ausgeglichen, erst im zweiten Abschnitt haben wir uns dann durchgesetzt“, analysierte Brand. Das trieb ihm schon in Konstanz die Sorgenfalten auf die Stirn, schließlich war das Niveau insgesamt ziemlich mäßig. Zudem gelten die Schweizer, die gegen die Griechen im WM-Qualifikations-Playoff ausgeschieden waren, nur als zweitklassig. Weil aber speziell die deutsche Abwehr die Fehler in Winterthur wiederholte und in den ersten 30 Minuten „teilweise individuell unterlegen“ war, war Brand doch erschrocken, „da bin ich auch etwas böse geworden“.

Ursprünglich hatte Brand schon vor dem kommenden Wochenende, wenn gegen den Vize-Europameister Slowenien die beiden nächsten Tests anstehen, seinen 19er-Kader ausdünnen wollen. Vier Spieler werden nicht mitfahren können nach Afrika. Doch nun, da ihn der Auftakt befriedigte, will der 52-Jährige „lieber weiter in Ruhe die Dinge sortieren“.

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