Sport : Zwei Sieger beim 1:1

Lettland jubelt nach dem Spiel – und Deutschlands Eishockeyteam steht bereits in der WM-Zwischenrunde

Claus Vetter

Prag. Unglaublich laut war es auf den Rängen, auf dem Eis ging es dagegen eher meist lau zu. Der Lärm, der gestern in der Sazka-Arena von Prag veranstaltet wurde, war für empfindliche Ohren nicht gerade angenehm. Rund 7000 lettische Eishockey-Fans unter den 15 000 Zuschauern hatten eine Tröte in der Hand. Als die Schlusssirene erklang, wurde bei den Letten gejubelt und noch lauter getrötet. Auf der anderen Seite der Eisfläche und unter den vielen deutschen Fans in der Arena war allerdings von Frust nichts zu spüren. 1:1 (0:1, 1:0, 0:0) hatte das deutsche Eishockey-Nationalteam bei seinem zweiten Auftritt bei der Weltmeisterschaft in Tschechien gespielt und sich damit nach dem 4:2-Sieg vom Sonnabend gegen Kasachstan bereits vorzeitig für die WM-Zwischenrunde qualifiziert.

Dies ist zweifellos ein Erfolg für die deutsche Mannschaft. Dass er nach einer biederen Darbietung in einem durchschnittlichen Spiel zustande kam, schmälert diese Tatsache nicht. Dennoch fiel die Analyse der deutschen Delegation wohl ein wenig zu euphorisch aus. Bundestrainer Hans Zach etwa pendelte bei der Bewertung des Spiels zwischen den Attributen „hochkarätig“ und „ausgezeichnet“. Die Ansichten über „ein unwahrscheinlich ausgezeichnetes Eishockeyspiel“ (Originalton Zach) waren gestern geteilt. Nicht alle Beobachter waren Zachs Meinung. Nationalspieler Jan Benda gab immerhin zu, dass seine Mannschaft zu sehr das Spiel bestimmen musste: „Und das lag uns nicht.“ Und natürlich, sagte Benda, habe man das Spiel gegen die Letten gewinnen wollen.

Zu Beginn hatte es auch so ausgesehen, als könne der Wunsch in Erfüllung gehen. In den ersten Minuten dominierten die Deutschen, dann aber wurde die Fehlerquote im deutschen Spiel erstaunlich hoch. Besonders in der eigenen Zone ging es schlampig zu. Jochen Molling wusste sich nach neun Minuten nach einem Fehler nur mit einem Foul zu helfen, was Konsequenzen für sein Team hatte: Als der Mannheimer Verteidiger auf der Strafbank saß, kamen die Letten zum 1:0 durch Sergej Zoltoks.

Immerhin, die Deutschen wurden nach dem Rückstand nicht nervös. Trotzdem dauerte es bis zur 26. Minute, ehe Jochen Hecht bei einer 5:3-Überzahl seiner Mannschaft den überfälligen Ausgleich gegen den technisch versierten Gegner erzielte. Was nach dem Tor des Starspielers von den Buffalo Sabres aus der nordamerikanischen Profiliga NHL geschah, war weniger attraktiv. Beide Mannschaften arbeiteten energisch in der Defensive, Torchancen ergaben sich jedoch wenige. Die größte Möglichkeit für die deutsche Mannschaft vergab Daniel Kunce in der 43. Minute, als er am herausragenden lettischen Torhüter Artus Irbe scheiterte. Aber auch der deutsche Schlussmann, wie Irbe in der NHL beschäftigt, hinterließ einen guten Eindruck: Olaf Kölzig (Washington). Besonders im letzten Drittel, als die Letten drückten und dem Siegtor nahe waren, zeigte er seine Klasse.

Über seine eigene Leistung wollte der deutsche Nationaltorhüter aber nicht sprechen. „Die Jungs vor mir haben einen guten Job gemacht“, sagte Kölzig. Da sei das für ihn nicht so schwer gewesen. Und überhaupt, seine Mannschaft hätte besonders im zweiten Drittel „ganz stark“ gespielt. „Ein guter Punkt“ sei der Lohn dafür gewesen, nun könne er gut schlafen, sagte Kölzig. „Wenn wir heute Nacht ins Bett gehen, wissen wir, dass wir in der nächsten Runde sind.“

Das ist immerhin etwas. Auch wenn der laute Montagnachmittag in der Sazka-Arena trotz der Euphorie von Bundestrainer Hans Zach nicht wegen eines besonders gelungenen Eishockeyspiels in die Sportgeschichte eingehen wird.

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